Mittwoch, 2. November 2011

Orangen mit Gewürzsirup und anderer Klimbim

Ich bin ein recht ordentlicher Mensch und huldige den einfachen Dingen. Ich mag keinen Schnickschnack und ich versuche mich zu reduzieren. Ich horte nicht gerne und ich hasse Ansammlungen von nutzlosem Zeug. Das Geschirr in meiner Vitrine ist weiß, so wie die Wände meines Hauses, und ich habe von jedem Serviceteil genau zehn Stück. Zehn Suppenteller, zehn Salatschüsseln, zehn Pastateller, zehn Eierbecher, zehn Kaffeetassen ... neun Dessertteller. Der Zehnte ist hin.

Es ist Ende Oktober und ich durchschreite die Tür des Interio Einrichtungshauses, weil ich einen Dessertteller brauche ...und...BAMM... da ist es!!! Es trifft mich wie der Schlag, völlig unvorbereitet, an einem milden, sonnigen Herbsttag: 
Der Weihnachtsklimbim ist da!!!
Es glitzert und funkelt, es duftet und klingt und da fällt´s mir wieder ein:
Ich bin ein Weihnachtsjunkie!!!
Ich erinnere mich plötzlich an meine mannshoch aufgeschlichteten Schachteln, vollgestopft mit Zeug, das ich 304 Tage im Jahr, peinlich berührt, in einer Garage verstecke - sortiert, nummeriert, etikettiert. Ich horte Christbaumschmuck - und zwar ausschließlich. Keine andere Weihnachtsdekoration, nur glänzenden Baumfirlefanz, je origineller umso lieber: knallgelbe Papageien, pinkfarbene Blumen, goldene Elefanten, rosarote Fliegenpilze ... ich schrecke vor nichts zurück... und ich will mehr!

61 Tage - dann stopf ich meinen Weihnachtsklimbim zurück in Schachteln, sortiere, nummeriere, etikettiere neu und schlichte Schachteln mannshoch in den hintersten Winkel einer unbenützten Garage. Dann breite ich liebevoll eine alte Wolldecke drüber aus, schließe das Tor und vergesse...

...aber sicher nicht den da: den vorweihnachtlich, verführerisch duftenden süßen Salat aus Orangen übergossen mit einem Sirup aus Vanille, Anis und Cassiazimt, veredelt mit einem Schuss Likör.

  • 6 Stück süße, saftige und kernlose Bioorangen mit unbehandelter Schale
  • 250 ml Wasser
  • 150 g brauner Zucker
  • Orangenschale
  • 1 Sternanis
  • 1 Stück Cassiazimtrinde, ca 3 cm, nicht den handelsüblichen Ceylon-Zimt! Der ist zu süßlich. Cassiazimt bekommen Sie in Asiashops. Er schmeckt ganz anders, ist herber und aromatischer - kein Vergleich!
  • 1 Tahiti Vanilleschote oder ersatzweise 2 Gewürzvanilleschoten. Die Tahitivanille enthält weniger Vanillin, dafür aber eine ganze Menge mehr anderer aromatischer Substanzen
  • tröpfchenweise Amaretto oder einen Schuss Orangenlikör und damit meine ich wirklich ganz, ganz wenig
  • Schlagobers ist auch nicht verkehrt

Eine der Orangen waschen und einen Teil der Schale hauchdünn mit einem Sparschäler abschälen. Anschließend alle Orangen mit dem Messer schälen und dabei die gesamte äußere Haut entfernen, und zwar gründlich. Es darf nichts Weißes mehr dran bleiben. In 1 cm dicke Scheiben schneiden oder, wenn Sie genügend Zeit und Geschick haben, die Früchte filetieren (Nachtrag: Ich würde Ihnen empfehlen, die Orangen auf jeden Fall zu filetieren, damit die Haut der Orangen vollständig entfernt wird. Die Scheiben können beim Essen ein bisserl schwierig sein). Den dabei austretenden Saft auffangen und später zum Sirup geben. Die Orangenscheiben oder Filets am besten in eine hohe Schüssel schlichten.
Wasser in einem kleinen Topf erhitzen. Zucker, Orangenschale, Anis und Cassiazimt dazugeben und ein bisserl einkochen lassen. Das ist der Zeitpunkt, zu dem es den Herrn Ziii aus seinem Wochenendnachmittagsschlaferl reißt und es ihn mit zittriger Nase vom Sofa in die Küche treibt. Die Vanilleschote seitlich aufschlitzen und mit einem Messer das Mark ausschaben. Mitsamt der Schote in den Sirup rühren. Der Duft wird Sie fast umhauen. Lassen Sie den Sirup nicht mehr aufkochen, denn das schadet dem Aroma der Vanille und kommen Sie nicht auf die Idee da Nelken reinzutun oder was anderes. Reduzieren Sie sich auf Vanille, Cassiazimt und Sternanis. Vor allem die Verwendung von qualitiativ hochwertiger Tahitivanille und echtem Cassiazimt garantiert, dass Sie einen interessanten, hocharomatischen Sirup erhalten, der kein bisschen an Kompott, Eis oder Kuchen erinnert. Darum müssen Sie auch mit der Zugabe von Alkohol, vor allem mit dem dominanten Amaretto, sehr vorsichtig sein.


Jetzt noch den Alkohol dazu geben - muss aber nicht sein - und den aufgefangenen Orangensaft vom Schneiden der Orangen dazugeben. Den Sirup noch heiß über die Orangen gießen. Das Gefäß verschließen und an einem kühlen Ort über Nacht durchziehen lassen. Der Zuckersirup profitiert dabei vom austretenden Saft der Orangen und hat ausgiebig Zeit sein Aroma an die eingelegten Früchte zu übertragen - WinWin!


Ein Gupferl ungesüßtes, geschlagenes Obers ist der perfekte Begleiter. Den Gewürzsirup löffeln Sie oben drüber.
Wussten Sie, dass ...

... die Vanilleschote die Samenkapsel einer Orchideenpflanze ist?
... Coca-Cola der weltweit größte Abnehmer von echten Vanilleschoten ist?


und kleine rote Kater Schlagobers lieben?



Kommentare:

  1. Der Weihnachtsklimbim bleibt dir (ich hab köstlich gelacht!), aber das andere da, mit Orangen und Vanille...das nehm ich gerne. (PS: Ich hab von keinem Teil in meiner Küche 10 Stück)

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  2. Man kann übrigens auch genau zehn Orangenfilets in jedes der 10 Schüsserl füllen. Ehrlich, das geht sich genau aus ;-)

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  3. das wär dann die perfekte nachspeise!

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  4. Klimbim an Weihnachten? Her damit! Und den Orangen-Vanille-Gewürz-Klimbim bitte auch :-) Das sieht umwerfend aus, ich spür's auf der Zunge, das Aroma.

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  5. Schokozwerg, bald ist eh kein Platz mehr in der Garage, dann gibt´s einen weihnachtlichen Klimbimflohmarkt mit Orangensalatbuffet ;-)

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