
Eine zwielichtige Gestalt schleicht durch Wien. Der Phomacher treibt sein Unwesen. Sie sind alleinstehend, weiblich und attraktiv? Dann nehmen Sie sich in Acht, denn der Phomacher ist auf der Jagd. Seit kurzem ungebunden und vogelfrei durchstreift er die nächtlichen Straßen. Auf der Suche nach einer Gespielin übt er sich darin, seine Opfer gefügig zu machen und er hat schnell gelernt. Die Küche erwies sich als vielversprechender Schauplatz seiner Triebhaftigkeit, denn kochende Männer schüren in so mancher Frau das Feuer der Wollust und Begierde. Das mit unkeuschen Absichten schwangere Mannsbild hat sich darin geschult, die Auserwählte in seinen Sündenpfuhl zu locken und mit kulinarischen Wonnen zu betören. Er hantiert geschickt mit Kochlöffel und Messer, er schnippelt, hackt und zupft und braut einen Topf aphrodisischer Verführung, der selbst die liederliche Schlange aus dem Paradies vor Neid erblassen lässt. Pho heißt die Droge voll anregender Substanzen, die die Leidenschaft entfesselt und die Frauenwelt sich ihm willig hingeben lässt. Der traditionelle Suppentopf aus Vietnam macht gefügig - bedingungslos. Ich durfte kosten, im Beisein des Herrn Ziii, Gott sei Dank, sonst wär`s um mich geschehen, denn ich muss sagen, der Phomacher ist ein Meister seiner Disziplin.
Bereits beim Überschreiten der Türschwelle tauche ich ein in ein Meer von Aromen, das die Luft beschwert. Hungrig sauge ich den Duft der Brühe auf, die seit vier Stunden auf dem Herd brodelt - schwer, süß und fett. Er empfängt mich mit verheißungsvollem Blick, wissend, dass ich mich dem Odeur der Sinnlichkeit, das dem Topf entströmt, nicht entziehen kann. Ich nähere mich, magisch angezogen, dem Quell des Verlangens und vertiefe mich im Dunst der Lust.
- 1,5 kg Rindsknochen mit Fleisch oder 1 kg Rindsknochen und 1/2 kg Beinfleisch
- 1/2 kg Markknochen vom Rind
- 150 g frischer Ingwer in Scheiben geschnitten
- 1 große Zwiebel mit Schale - halbiert und an den Schnittflächen geröstet
- 5 Sternanis - das wichtigste Gewürz
- 6 Nelken
- 1 großzügiger Teelöffel Fenchelsamen
- 1 großzügiger Teelöffel Koriandersamen im Ganzen
- 1 großes Stück Cassiazimt - den bekommen Sie im Asiashop, nicht den handelsüblichen Ceylonzimt
- 5 Knoblauchzehen, zerdrückt
- 1 Kapsel schwarzer Kardamom - auf keinen Fall die grünen Kapseln, dann lassen Sie ihn lieber weg
- 2 EL gelber Kandiszucker - oder ein Ersatz, achten Sie aber auf Süßkraft und Geschmack
- 6 EL Fischsauce - verwenden Sie ein hochwertiges Produkt aus dem Asiashop ohne Geschmacksverstärker. Fischsauce ist nicht substituierbar.
- 1 TL Salz
- 4 Liter Wasser
- eventuell Wurzel und Stängel vom Koriander und Thaibasilikum, deren Blätter Sie später für die Suppeneinlage verwenden
Die Knochen unter fließendem Wasser gut abspülen, um eventuelle Splitter zu entfernen (eigentlich gehören die Knochen zehn Minuten vorgekocht, um sie gründlich zu säubern und dann mit frischem Wasser nochmal aufgesetzt - es gelingt aber auch ohne dieser Vorbereitung recht gut). Die Knochen und das Fleisch einfach zusammen mit den restlichen Zutaten, in einen großen Topf geben und mit dem Wasser aufgießen. Zum Kochen bringen und dann die Hitze reduzieren. Die Suppe mindestens 3-4 Stunden, oder auch länger, bei geringer Hitze simmern lassen. Die Brühe darf nicht wallend kochend, da sie sonst trüb wird, sondern sollte sanft vor sich hinköcheln. Anschließend durch ein Tuch abseihen. Das Fleisch taugt nach dieser langen Kochzeit nicht mehr viel. Es hat seine ganze Kraft an die Suppe abgegeben. Werfen Sie es weg.
Die Brühe wird durch die Markknochen sehr fett, was aber zum Geschmack wesentlich beiträgt. Sie können sie aber auch auskühlen lassen und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag lässt sich das fest gewordene Fett leicht entfernen. Bedauerlicherweise erwartet Sie dann aber nur das halbe Vergnügen.

Der Phomacher schreitet zur Vollendung und verleiht dem Liebestrank neue Jugend. Zarte Frische und Leichtigkeit paaren sich mit reifer Fülle. Die Gegensätze vereinigen sich, verschmelzen miteinander und entfesseln mein Gefallen in einer Weise, die mich vor Wonne seufzen lässt.
- Reisnudeln - eine schmale Bandnudelsorte
- Zuckerschoten - blanchiert und kalt abgespült
- frische Bohnensprossen
- Pak Choi - der Länge nach geviertelt
- frisches Thaibasilikum - die Stängel können Sie für das Kochen der Brühe verwenden
- frischer Koriander - hiervon ebenfalls Stängel und Wurzel in der Brühe mitkochen
- Limetten - in Spalten geschnitten
- Rindsfilet - rechnen Sie pro Person ungefähr 150 g und lassen Sie es im Tiefkühler 30 Minuten anfrieren, damit Sie es später leichter schneiden lässt.
- Fischsauce
- Chillisauce
- Hoisinsauce
Reisnudeln nach Packungsanweisung kochen und darauf achten, dass diese nicht zu weich werden. In eine Schüssel geben und mit einem Teil der Suppe übergießen, sodass sie gerade bedeckt sind und nicht zusammenkleben. In der Schüssel servieren. Pho lebt vom Kontrast der kräftigen Brühe und den knackig frischen Zutaten. Dafür Gemüse und Kräuter auf einem Teller anrichten und mit Limettenspalten garnieren. Das Rindsfilet im Tiefkühler eine halbe Stunde anfrieren lassen, damit Sie es dann in hauchdünne Scheiben schneiden können. Ebenfalls auf einem Teller anrichten. Fischsauce zum Nachwürzen der Suppe extra reichen. Chillisauce und Hoisinsauce in kleinen Schüsselchen geben - halbe, halbe für jede Person extra. Die Einlagen, gemeinsam mit der kochend heißen Suppe, auf den Tisch stellen. Jeder richtet sich sein Süppchen dann selber an. Zuerst die Nudeln, dann das Gemüse und das Filet in den Teller geben. Die Kräuter zupfen und großzügig darüber streuen, wobei das Thaibasilikum die wichtigste Zutat ist. Ohne Thaibasilikum kein Pho und denken Sie nicht einmal daran es durch italienisches Basilikum zu ersetzen. Anschließend die heiße Brühe angießen. Der Pho kann nach Geschmack mit Fischsauce und Limettensaft nachgewürzt werden. Die Chillisauce und die Hoisinsauce werden nicht in die Suppe gegeben, sondern seperat dazu gereicht und das Fleisch darin getunkt. Zum Essen brauchen Sie Stäbchen und einen Löffel zum Schlürfen.
Der Phomacher lehnt sich zurück und ein zufriedenes Lächeln umspielt seine Lippen. Er wendet mir den Blick zu, um meine Anerkennung in Gedanken aufzunehmen. Dann legt er den Arm um sie und sie lässt ihn gewähren.
Aber er wird weiter ziehen, denn er ist hungrig. Ein neues Objekt der Begierde kreuzte seinen Weg... doch so lange ich von seinem Pho auch was abbekomme, ist mir alles wurscht!
*Mein Rezept für Pho habe ich dem Phomacher abgeschwatzt. Zur Vertiefung kann ich Ihnen auch noch
diese Seite empfehlen.