Mittwoch, 14. Dezember 2011

Heißer Apfelpunsch mit Haube oder A...wie Aufräumen

"Du, Mami, was mach' ich als Mutter, wenn ich glaube, dass es das Christkind gibt?"

- Wie bitte?

"Na, ich mein', wenn ich an das Christkind glaub' und einem die Eltern nie gesagt haben, dass es das Christkind nicht gibt. Und wenn ich dann selber Kinder hab', dann glaub' ich ja, dass das Christkind die Geschenke unter den Weihnachtsbaum legt und dann bekommen meine Kinder keine Geschenke, weil ich ja glaube, dass das Christkind sie bringt. Tun Dir die Enkelkinder da nicht leid?"

Sodala, ich wurde aufgeklärt! Sehr sanft und einfühlsam zwar, aber ernüchtert steh ich jetzt da, vor meiner entzauberten Weihnachtswelt. Fräulein Ziii lügt mich seit Jahren an, weil sie mir an Weihnachten eine Freude machen will. Das Kind glaubt schon lange nicht mehr an das Christkind und teilt sich mir ausgerechnet in diesem Jahr mit, wo es gefirmt wird. Was für ein Desaster! Nie und nimmer kann ich dem Pfarrer bei der Messe in die Augen schauen!

Ich mache dem Fräulein eine Liste, was eine Mutter und ihre ungläubigen Kinder so zu tun haben an Weihnachten. Die Liste beginnt mit A... wie Aufräumen. Das Fräulein meint, da glaubt sie lieber doch an das Christkind und um die Enkelkinder kann ich mich ja kümmern. Na bitte, geht doch!?

Und so wird aus A...wie Aufräumen ein A...wie Apfelpunsch. Mit Ingwer und gerösteten Mandeln, ganz ohne Alkohol, wie es sich für Kinder eben gehört.
  • 3 Äpfel einer würzigen, mürben Sorte, wie z.B. Topas
  • 2 Stangen Zimt
  • 1 Sternanis
  • 10 Gewürznelken 
  • hauchdünne Schalen einer halben Zitrone - nicht gerieben, sondern mit einem Sparschäler abgezogen
  • 1oder 2 alte Vanillestangen ohne Mark - für solche Zwecke, die ausgekratzten Stangen immer aufheben
  • 10 dünne Scheiben frischer Ingwer - unbedingt frischer, kein Ingwerpulver
  • 1 Liter reinen, naturtrüber Apfelsaft - den besten, den Sie bekommen können
  • 2-3 EL Ahornsirup - sie können auch Apfel-oder Birnendicksaft verwenden, oder auch braunen Zucker - je nachdem die Menge anpassen
  • 1 Handvoll geschälte, ganze Mandeln
  • 1 Becher Schlagobers
Die Äpfel schälen, achteln, das Kerngehäuse entfernen und in etwas dickere Scheiben schneiden. Gemeinsam mit den Gewürzen in einen Topf geben und soviel Wasser einfüllen, dass die Äpfel schwach bedeckt sind. Einmal kurz aufkochen, bedecken und simmern lassen bis die Äpfel weich sind. (Die Äpfel sollten am Ende der gesamten Garzeit so weich sein, dass Sie sie mit der Zunge zerdrücken können) Dann den Apfelsaft und den Ahornsirup dazu geben. Jetzt noch einmal alles erhitzen, aber Obacht, auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen kochen lassen, nicht einmal sieden! Gerade mal auf Trinktemparatur erhitzen und mindestens eine Viertelstunde ziehen lassen. Der Punsch ist dann eigentlich fertig. Ich koche den Punsch aber meistens am Sonntag nach dem Frühstück, lasse ihn auskühlen und wärme ihn dann am Abend wieder auf. So schmeckt er am besten, da die Aromaten sich noch besser entfalten können.
Die Mandeln in einer Pfanne oder im Backofen trocken rösten und das Schlagobers steif schlagen. Den Punsch in Gläser füllen, ganze Mandeln dazu geben, dem Punsch eine Schlagobershaube aufsetzen und mit einem Löffel servieren.
Da der Punsch weder Tee noch Alkohol enthält ist die Qualität des Apfelsafts absolut entscheidend. Die Kunst ist es, dass der Apfelsaft seine natürliche Süße behält und beim Erhitzen nicht sauer wird. Mit einem gezuckertem Fusel aus dem Tetrapack werden sie kein vernünftiges Ergebnis erzielen. Auch billige naturtrübe Apfelsäfte sind nicht gut genug. Betrachten Sie den Apfelsaft wie eine Flasche guten Wein. Wählen sie ein sortenreines Produkt aus einer süßen und aromatischen Apfelsorte. Ich verwende am liebsten Cox Orange vom Obsthof Reisinger aus der Wachau.
Kommen Sie bitte nicht auf die Idee den Punsch ohne Schlagobers zu servieren. Schon viele Gäste haben gemeint: "Nein, danke, bitte kein Schlagobers auf meinem Punsch!" Geläutert verließen diese unser Haus und trugen die Tradition weiter in das Ihrige.

Ich selbst hab' auch blöd g'schaut, wie mir seinerzeit ein Kellner den Punsch erstmalig mit Obershaube servierte. Eigentlich wollte ich den Punsch zurückschicken, weil man ja - um Gottes Willen - keinen Punsch mit Obers trinkt. Der Kellner hat sich aber so schnell wieder entfernt und ist so lange nicht mehr daher gekommen, dass ich dann doch den ersten Schluck gemacht habe. Seither niemals wieder Punsch ohne Schlagobers! Und jedem, der bei uns Punsch mit Haube getrunken hat ist es ebenso ergangen.

Kommentare:

  1. Zu meiner Verteidigung gleich vorweg: Der Apfelpunsch war für meinen Brunch auch schon am Plan. Aber jetzt muss er natürlich auch noch mit Schlagobers aufgepeppt werden!

    AntwortenLöschen
  2. Ja, tu das. Du wirst es lieben. Ich wollte das zuerst gar nicht...aber dann...

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Frau Ziii,
    weil Sie ja immer so gute Sachen in ihrem Blog stehen haben, habe ich mal gestöbert und diesen Apfelpunsch hier gemacht. Einfach himmlisch finde ich und fanden meine Gäste. So schön fruchtig... Und das mit dem Schlagobers finde ich ganz genial. Den werde ich bestimmt noch öfter machen im Advent. Schöne Grüße aus Nürnberg.
    Anna

    AntwortenLöschen