Lebkuchenauflauf mit Bratäpfel und eine Weihnachtsliebe

Ich bin verliebt! In den Herrn Ziii sowieso, das wissen Sie längst. Doch seit neuestem gibt es da auch einen älteren weiß-emaillierten Herrn, sehr attraktiv, etwas behäbig zwar und korpulent von der Statur, aber gepflegt, grundsolide und anständig. Kochen kann der, sag ich Ihnen, das glauben Sie nicht!



Der begeherenswerte Herr ist in Füllenberg ansässig, einer kleiner Ortschaft im Süden von Wien mit genau 39 Einwohnern und ich habe jetzt extra gegoogelt um Ihnen das erzählen zu können. Fotos von der Landschaft haben Sie bereits gesehen, nämlich in meinem letzten Post. Von größerem Interesse für die meisten, die es dorthin verschlägt ist aber die Meierei in Füllenberg, ein kleines Ausflugslokal, das heute noch genauso dasteht wie damals im Biedermeier als es erbaut wurde. Angeblich ist vieles seit Jahrhunderten unverändert und tatsächlich blieb mir der Mund offen stehen, als ich beim Betreten des kleinen Lokals einen Blick in die Küche erhaschen konnte.

Dort stand er plötzlich vor mir, mitten im Raum, ehrwürdig und erhaben, die Kulisse beherrschend. Alles was ihn umgab schien nur für ihn dazusein, wie ein Bühnenbild, das hingebungsvoll seinen Helden umspielt: Verblichene Wände mit blauer Leimfarbe, ein Kruzifix über der Tür, schwer tragende Holzregale mit altem Geschirr, emaillierte Töpfe und blecherne Pfannen... eine ganze Dienerschaft an Requisiten für den Herrn des Hauses. Selbst das Licht, das durch die Tür fiel, schien ausschließlich für ihn zu strahlen. Diffuse Wintersonne flutete von der Seite in den Raum und beleuchtete kunstgerecht die Szenerie. Als Fotografin weiß ich solche besonderen Momente zu schätzen.



Das erste, was mir bei seinem Anblick in den Sinn kam, war eine heiße Affäre mit einem Bratl in der Rein. Da die Meierei Füllenberg aber kein Gasthof, sondern eben eine Meierei ist, wird in alter Tradition auf gewichtige Speisen verzichtet und serviert, was in Ausflugslokalen dieser Art von jeher auf den Tisch kommt. Kaffee, Milch und Kuchen, Eierspeis und Schnittlauchbrot, im Winter eine gute Rindsuppe und hin und wieder eine Mehlspeis.




Wie kam es also zu dem folgenden Rezepte, fragt sich der interessierte Leser? Wohlan, das Bratl ließ mich nicht mehr los. An jenem Adventsonntag entstand in meinem Kopf die fixe Idee das diesjährige Weihnachtsfest ein schweinernes werden zu lassen. Nun hat ein Lebkuchenauflauf wiederum recht wenig mit einem festlichen Braten zu tun, ließe sich einwerfen, und da ist gewiss etwas Wahres dran. Dem Leser sei aber gesagt, dass die verworrenen Gedanken der Frau Ziii Absonderlichkeiten hervorzubringen im Stande sind, wie es sich ein anderer gar nicht erst auszumalen vermag.

... zum Beispiel einen festlichen Schweinsbraten mit weihnachtlicher Fülle aus Dörrzwetschken und Lebkuchen. Die Idee ist ungewöhnlich, wenngleich auch nicht ganz neu, zumindest was die Sache mit den Dörrzwetschken (Backpflaumen) betrifft. Ein ähnliches Gericht ist so manchen vielleicht als 'Schwedischer Braten' bekannt. So hielt es die Frau Ziii für durchaus originell einem Schweinsbrüstl den Bauch mit Dörrzwetschken, Äpfel und gar Lebkuchen zu stopfen. Dass der Herr Ziii am Tag der Generalprobe dann aber mit einem Schulterstück daherkam anstatt eines Brüstls, warf alle Pläne über den Haufen und die experimentelle Lebkuchenfülle landete samt Bratäpfel in einem separaten Reindl, denn Platz fand beides in der Schulter keinen.

Das Ergebnis des Testlaufs war dennoch ein höchst erfreuliches. Vielleicht haben Sie auf meiner Facebookseite oder auf Instagram davon mitbekommen. Lediglich die Sache mit der Lebkuchenfülle erwies sich als geschmacklich verbesserungsfähig. So werden am ersten Weihnachtsfeiertag im Hause Ziii vermutlich doch Briocheknödel zum Zwetschkenschwein serviert, denn die pickig süßen Honiglebkuchen entpuppten sich als pikante Zuspeise nicht so begehrenswert wie erhofft. Umsonst war das Experiment aber nicht, denn es stellte sich heraus, dass die separat gebackene Fülle durchaus Potential hatte, allerdings mehr in Richtung weihnachtliche Mehlspeis. In diesem Sinne entstand dann das nachfolgende Rezept, ein einfacher Auflauf wie es ihn auf ähnliche Weise auf diesem Blog schon einmal gab, nur diesmal mit Lebkuchen drin, als weihnachtliches Frühstück oder auch zum Dessert.



Weihnachtlicher Lebkuchenauflauf mit Bratäpfel

Ich habe den Auflauf auf 4 Formen verteilt. Doch das können Sie halten wie Sie wollen. Für ein Dessert wären meine Portionen nämlich zu groß gewesen. Wenn Sie den Auflauf im Ganzen backen, sind Sie flexibler. Der Auflauf sieht mit dem Löffel ausgestochen sehr schön aus und lässt sich gut mit Eis ergänzen, vielleicht Zimtblüteneis oder hausgemachtes Vanilleeis? Sie könnten im Wasserbad auch eine Gewürzzabaione anrühren... und mit dem Auflauf noch ein paar Äpfel extra in den Ofen schieben...

Bonus: Der Auflauf lässt sich perfekt vorbereiten und wartet im Kühlschrank stundenlang und sogar über Nacht auf den Einsatz. Er muss dann nur mehr zur richtigen Zeit in den Ofen geschoben werden.


für 4 Personen als Frühstück oder Mehlspeise, und  für 6-8 Personen als Dessert

  • 250 g angetrocknete Semmeln vom Vortag (sie sollten aber noch nicht steinhart sein) - das sind ungefähr 4 Stück, ersatzweise Weißbrot oder Baguette mit weicher Kruste
  • 150 g Lebkuchen wie Sie ihn gerne mögen - möglichst weich
  • 350 - 400 g Milch - je nach Saugfähigkeit der Semmeln
  • 4 Eier
  • 5 EL grober Zucker - am liebsten eine Mischung aus weißem und braunen Zucker
  • 1 gehäufter TL Lebkuchengewürz
  • Butter zum Fetten der Form
  • 50 g Butter in dünnen Scheiben
  • 3 Äpfel - unbedingt eine Sorte, die für solche Zwecke geeignet ist, z.B. Boskop oder Topaz

für den Extrakick noch

  • geriebene Muskatnuss
  • 1 Messerspitze gemahlener Kardamom
  • abgeriebene Schale von einer halben unbehandelten Bioorange
  • 1 EL Rum oder Orangenlikör

1 Die Milch in einer Schüssel mit den Eiern verquirlen. Den Zucker mit dem Lebkuchengewürz, geriebener Muskatnuss und Kardamom vermengen. Die Semmeln quer in 1 cm dicke Scheiben schneiden.

2 Die Lebkuchen in Würfel schneiden und in eine Schüssel geben, Rum oder Orangenlikör darüberträufeln, abgeriebene Orangenschale hinzugeben und mit etwas Eiermilch übergießen, sodass die Lebkuchen gut bedeckt sind. Weiche Lebkuchen saugen sich sehr schnell an, härtere hingegen brauchen etwas mehr Zeit. Vor der Weiterverarbeitung sollte die Masse jedenfalls sehr weich und vollgesogen sein.

3 Eine Auflaufform (oder 4 kleine Formen) gründlich mit Butter ausschmieren. 2 EL Zucker hineingeben und gut durchschwenken sodass Boden und Ränder großzügig und flächendeckend mit Zucker bedeckt sind.

4 Zwei der Äpfel schälen, entkernen, vierteln und dünn blättrig schneiden.

5 Die Semmelscheiben in die Milch-Eiermischung tunken und gründlich ansaugen lassen (sie sollten gatschweich werden). Den Boden der Form damit dicht auslegen. Mit weiteren getunkten Semmelscheiben auch den Rand auslegen. Die Scheiben dafür am besten hochstellen. Die Hälfte der Apfelscheiben darüber verteilen und mit einem halben EL Gewürzzucker bestreuen. Als nächste Schicht die Hälfte der Lebkuchenmasse einbringen und diese mit einer weiteren Schicht getunkter Semmeln bedecken. Dann die zweite Hälfte der Äpfel, Zucker (es sollten noch 2 EL vom Zucker übrigbleiben) und die restlichen Lebkuchen einschlichten. Mit den übriggebliebenen Semmeln bedecken. Die restliche Eiermilch und auch die überschüssige Milch der Lebkuchenmasse darübergießen und alles vorsichtig andrücken.

6 Am besten über Nacht, aber mindestens 2-3 Stunden in den Kühlschrank stellen und durchziehen lassen.

7 Den verbliebenen Apfel ungeschält vierteln (wenn Sie 6 Portionen für ein Dessert brauchen, den Apfel sechsteln) und das Kerngehäuse entfernen. Die Apfelstücke  mit den Schnittflächen nach unten in den Auflauf stecken. Die Butterscheiben darüber verteilen und mit dem restlichen Zucker bestreuen.

7a Alternativ können Sie auch mehr Äpfel verwenden und sie separat in einer Form braten. Dann aber ganz lassen, mit einer Messerspitze mehrmals anstechen und erst etwas später in den Ofen schieben, wenn das Rohr bereits heiß ist (die Äpfel brauchen je nach Größe ca. 35-40 Minuten)

8 Den Auflauf in den nicht vorgeheizten Ofen stellen (die Form könnte sonst springen) - unteres Drittel -  und auf 170°C Ober-/Unterhitze aufheizen. Eine gute Stunde backen bis der Auflauf mächtig aufgegangen ist. Er ist fertig, wenn die Kruste goldbraun ist und Sie das Gefühl haben, dass er jeden Augenblick explodieren könnte.

Zum Frühstück würde ich den Auflauf löffeln wie er ist, mit ein bisserl Staubzucker und einer Extraportion Bratäpfel. Er gehört frisch aus dem Ofen schnell auf den Tisch.




Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und erholsame Feiertage. 
Gleich ob Sie es ruhig oder geschäftig angehen,
möge es Ihnen gut ergehen
und das Fest gelingen.



So, und was ist jetzt mit dem Weihnachtsbratl? Tja, wie der Name schon sagt, handelt es sich um ein Weihnachtsbratl. Ich bin Echtzeitbloggerin der alten Schule. Die Sau ist bestellt, die Pflaumen getrocknet und am ersten Feiertag, dem 25. Dezember kommt das Bratl in den Ofen rein. Dabei werde ich schmachtend an ihn denken... an den weiß-emaillierten alten Herrn in der Meierei zu Füllenberg. Und vielleicht kommt Ihnen, werter Leser,  an diesem Tag kurz die Frau Ziii in den Sinn... samt zwetschkerner Sau und Lebkuchenauflauf. Es würde mich freuen.


Auf ein kleines Schluckauf,
so gegen 13 Uhr...

mit Grüßen aus Wien

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15 comments:

  1. Was für ein unterhaltsamer Post wieder = eben einzigartig!!
    Der alte Ofen würde mir auch gefallen....im passenden Drumherum. ;-)

    Dir und deinen Lieben ein wunderschönes Weihnachtsfest und alles erdenklich Gute für 2017

    Deine treue Leserin Eva :-)

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    1. Liebe Eva, vielen Dank für die lieben Wünsche. Dir auch ein schönes Fest und alles Gute.

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  2. Liebe Frau Ziii, wieder ganz wunderbar.
    Zu Altbackenem (Semmeln, Brezen usw.) bekam ich von einem Superkoch einmal den Tipp, die gewünschten Objekte einfach in eine Plastiktüte zu packen. Am nächsten Tag ist alles altbacken, aber noch schön weich; man kann es gut kleinschneiden, und nichts bröselt durch die Gegend.
    Ihnen und Ihrer Familie schöne Festtage und einen eleganten Rutsch ins Jahr 2017.

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    1. Ich fröne dem Luxus eines tönernen Brottopfes. Da braucht es tatsächlich etwas länger bis die Semmeln altbacken sind. Danke daher für Deinen Tipp. Wenn es nächstes Mal schnell gehen soll, packe ich die Plastiktüte aus. Liebe Grüße aus Wien von Frau Ziii

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  3. Wunderschön, das Ofen-Fundstück im perfekten Licht in Szene gesetzt! Ich wünsche ein fröhliches und vor allem friedliches Weihnachtsfest mit einem perfekten Bratl und einem guten Schluck im Glas :-)

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    1. Liebe Petra, da mein Herr Ziii trocken ist (also keinerlei Alkohol trinkt) muss ich immer alleine schlucken. Ich hebe das Glas auf Dich und wünsche auch Dir schöne Feiertage.

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  4. Hallo Frau Ziii,
    alleine wegen der Becher... hach! Wenn ich die Bilder so betrachte - sind die nicht extra für so einen leckeren Auflauf gedacht?! Auf jeden Fall finde ich aber auch die Extrakick-Ideen sehr spannend. Mein Favorit wäre direkt mit Muskatnuss! Danke für das prima Rezept!
    Liebe Grüße,
    Eva

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  5. Liebe Frau Ziii,
    es ist mir wie immer eine rege Freude Ihr Geschriebenes zu lesen, und dabei die wunderbaren Bilder zu sehn. Danke für viele vergnügliche Minuten und gar Stunden... Danke
    auch das Kochbuch ist mir ein treuer Begleiter geworden.
    Frohe Wiehnachten
    wünscht
    das Fräulein Brilla

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  6. Ach, wie schön wieder! Frau Ziii, ich bin Ihr Fan - vom Essen sowieso und dann auch noch diese FOTOS! So, so schön!
    Ein frohes Weihnachtsfest und weiterhin so viel Kreativität!

    Ursula

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  7. Liebe Frau Ziii,
    in diesen Ofen könnt ich mich auch verlieben! Auch mir bereitet Ihr Geschriebenes immer wieder Vergnügen.Danke auch für die köstlichen Rezepte.
    Frohe Weihnachten und die besten Wünsche für das kommende Jahr!
    Herzlichst
    Renate

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  8. Bei solchen wunderschönen alten Herden gerate ich auch jedes Mal in größte Verzückung ;-)
    Dir und deiner Familie wünsche ich schöne, entspannte und friedliche Feiertage :-)

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  9. Liebe Frau Ziii!
    Sie schaffen es immer wieder mich in grandiose Stimmung zu versetzen: großartige Rezepte, wunderschöne Fotos (jedes für sich ein Stillleben at it's best...), die Texte ein Vergnügen...
    Ich freue mich auf Ihre Begleitung 2017 und auf hoffe auf ein nächstes Kochbuch in absehbarer Zeit? Alles Liebe Ihnen und den Ihren!

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  10. Was für ein toller Ofen/Herd.
    Ahoi
    Oona

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  11. Ich bin vor Weihnachten auf euren Block gestoßen und auch auf das Rezept hier. Ich habe das Rezept in der Weihnachtszeit ausprobiert und meine Gäste und Ich waren begeistert. Ich hatte mir vorgenommen mich bei euch zu bedanken allerdings muss ich gestehen das es bei mir in Vergessenheit geraten ist. Daher schriebe ich euch erst Jetzt. Vielen vielen Dank für das unglaublich leckere Rezept mit dem ich meinen Gästen eine Freude machen konnte :-) !

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  12. So einen alten Ofen sollte man echt besitzen :). Aber die Frage ist wie und woher?! Sonnige Grüße aus dem Hotel seiser Alm

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