Irish Treacle Bread oder Summer was on Tuesday

Please scroll down for the recipe in English.

Von den heftigen Regenfälle der letzten Tage sind die Wiener ja bisher verschont geblieben. Es pritschelt zwar dahin, hört aber immer wieder rechtzeitig auf. Kein Grund zum Jammern also und Zeit sich über die Vorzüge von schlechtem Wetter Gedanken zu machen...

Ich kann am Wochenende ohne schlechtem Gewissen im Bett liegen bleiben so lange ich will.
Die Blumen sind anspruchslos und brauchen nicht gegossen zu werden.
Es bleibt Zeit sich vor den Kamin zu setzen und völlig ungeniert den neuen Dan Brown zu lesen.
Warme Suppen und Eintöpfe schmecken besser wie kalter Salat.
Ich muss nicht fünf Mal am Tag die Katzen zählen, weil eh immer alle da sind.
Der Herr Ziii hat vollstes Verständnis, dass ich (ausnahmsweise ;-) weder walken noch laufen gehe.
Und Bikinishape ist auch nicht von Nöten, weil im Schwimmbad sowieso tote Hose ist.

Soeben von einer Irlandreise zurückgekehrt, genieße ich das Wetter in vollen Zügen, wie Sie sehen. Dort regnet es ordentlich viel, sag ich Ihnen, und eben genau dieses Wetter mag ich. Die Wolkenstimmungen sind atemberaubend und nirgendwo sonst finden Sie schöneres Licht wie auf dieser kleinen Insel. Ich muss in meinem früheren Leben eine Irin gewesen sein, so sehr, wie ich das alles mag.

Selbst das irische Essen liegt mir, obwohl das Land nicht gerade berühmt für seine kulinarische Vielfalt ist. Doch ich steh auf stundenlang geschmorte Eintöpfe, Kartoffelbrei, dicke Räucherfischsuppen und herzhaftes Frühstück. Stew, Champ, Chowder, Pie und Porridge... ich könnte nicht sagen, dass mir da was abgeht. Treaclebread sollte ich vielleicht noch erwähnen, denn ohne dem geht bei uns gar nix mehr. Das Rezept dafür habe ich aus Ennis mitgebracht, einer kleinen Stadt im Westen der Insel, die die erste Station auf unserer Reise war. Ihre unmittelbare Nähe zu den Burren, den Moher Cliffs und die Affinität zu traditioneller irischer Folkmusic machen Sie für Touristen interessant. Sie müssen in Irland auch keine Angst vor Massentourismus haben. Die Menschenmengen bleiben aus. Noch ein Grund mehr für mich, Irland als Reiseland zu lieben, denn ich gehöre zu jenen, die Ansammlungen von mehr als fünf Personen tunlichst vermeiden. Doch selbst an den begehrtesten Plätzen Irlands hält sich der Tourismus in Grenzen, vorausgesetzt sie bereisen das Land im späten Frühling oder im Frühsommer. Und etwas anderes würde ich Ihnen auch gar nicht empfehlen. Nur zu dieser Zeit können Sie aus dem Vollen schöpfen. Dann nämlich liegt Ihnen Irland als riesiger botanischer Garten zu Füßen.

Treaclebread gehört zu jenen Brotsorten, die als Backtriebmittel Soda enthalten. Dadurch ist es in null komma nix fertig. Kein langes Kneten, keine Gehzeiten und außerdem kein Blähbauch, wenn Sie es frisch essen.
Es ist eine spezielle Art des typisch irischen Brown Bread. Hauptzutaten sind Weizen(vollkorn)mehl, optional Haferflocken oder Haferschrot, gesäuerte Milch, Salz, gelegentlich Ingwer und ein relativ hoher Anteil einer dunklen Zuckersorte. Das ergibt ein weiches, saftiges, fast schon kuchenartiges, süßliches Brot. Wird zusätzlich noch Black Treacle (Melasse) verwendet, erhält das Brot einen ganz besonders charakteristischen Geschmack und eine intensive, dunkle Farbe. Ich habe in Irland Treaclebread gegessen, das fast schon schwarz war.

Die beste Art es zu genießen, ist noch lauwarm aus dem Ofen, mit gesalzener Butter. Frau Ziii trinkt am liebsten eine Tasse heißen, schwarzen Tee dazu, der Herr Ziii bevorzugt dunkles, würziges Bier. Beides ist in Irland als Begleitung durchaus üblich. Treaclebread wird aber auch oft zu geräuchertem Fisch gegessen und, very famous, zu Seafood Chowder, einer dicken Suppe auf Obersbasis, die mit Räucherfisch, frischem Fisch und Meeresfrüchten, je nach Angebot, gekocht wird.



Zutaten:

  • 250 g Weizenmehl
  • 250 g Weizen- oder Dinkelvollkornmehl
  • 100 g Haferflocken, Kleinblatt
  • 1 TL Backpulver
  • 15 g Speisesoda - heißt manchmal auch Backnatron
  • 1 TL Salz
  • 1 gehäufter EL brauner Zucker
  • 1 gehäufter Teelöffel getrockneter Ingwer, gemahlen
  • 50 g Black Treacle - Melasse
  • 1/2 l Buttermilch
  • 50 ml Mineralwasser

Die Melasse an einen warmen Ort stellen, damit sie flüssiger wird und sich leichter verarbeiten lässt. Alle trockenen Zutaten in einer Schüssel gut mischen.
Die Buttermilch, das Mineralwasser und die Melasse gut verrühren bis sich die Melasse vollständig aufgelöst hat. Die Milchmischung  in die Schüssel mit den trockenen Zutaten geben und alles mit einem Kochlöffel gut vermengen.
Eine Kastenform buttern und bemehlen und die Masse in die Form füllen. Das Brot im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad ungefähr 40 Minuten backen. Anschließend das Brot aus der Form nehmen und weitere 10 Minuten bei 150 Grad trocknen.
Recipe in English

Irish Treacle Bread

Recently I have taken a trip through Ireland. I love this country, especially for it's weather. I love the impressive clouds in the sky, the beautiful light that shines through and I love to breathe the fresh air after the rain. Yes, I really like rainy days and the solid Irish cuisine, too. I am mad on stew, champ, chowder, pie und porridge... and since lately I adore treacle bread.

I brought the recipe from Ennis, the first stop on our journey. It is a small town on the westside of the island next to the Burren and the Cliffs of Moher. Usually treacle bread is served there together with lightly salted butter. It goes well with a cup of tea or a pint of Guiness, too. It is a kind of soda bread and is made with black treacle. It tastes both, a little bit sweet and a little bit salty.

  • 250 g of plain wheat flour
  • 250 g of whole grain flour
  • 100 g of oatmeal
  • 1 tsp baking powder
  • 15 g of baking soda 
  • 1 tsp salt
  • 1 big tablespoon brown sugar
  • 1 teaspoon dried ground ginger,
  • 50 g black treacle
  • 1/2 l buttermilk
  • 50 ml mineral water


Preheat the oven on 180 Celcius.

Warm up the treacle a little bit, so that it becomes smoother and easier to handle. Pour all dry ingredients in a bowl and mix well.
Mix the butter milk with the treacle until it has completely dissolved. Then add the mineral water. Pour the milk mixture into the bowl with the dry ingredients and mix well with a wooden spoon.

Line a pan and pour in the dough. Bake it in the preheated oven for about 40 minutes. Then reduce the heat and take the bread out of the pan. Bake again at 150 degrees for 10 minutes.


Greetings from Vienna. Yours truly, Mrs Ziii


My Instagrams

Lieben Gruß aus Wien von Frau Ziii 

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8 comments:

  1. In einem so grünen Land, in dem die Menschen mit Feen und Kobolden tanzen (habe ich mir erzählen lassen ;), da kann das Essen unter wolkenbewegtem Himmel nur schmecken!

    Heute schätze ich besonders Ihre begleitenden Stimmungseindrücke dank Instgram, liebe Frau Ziii...

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  2. Was für ein stimmungsvoller Reisebericht - da lerne ich doch glatt auch unseren Regen schätzen :-)

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  3. Ach, wie schön...noch jemand der dem Regen viel Schönes abgewinnen kann...das Brot zu backen wird kein Problem sein, doch wie komme ich jetzt nach Irland?

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  4. Liebe Fr. Ziii!

    Ich habe mir von England ein "Bicarbonate of Soda" und eine Dose "Cream of Tartar" mitgenommen. Ersteres werde ich für das Irische Brot verwenden. Ist Cream of Tartare eigentlich mit unserem Backpulver vergleichbar? Ich habe gehört, dass es Unterschiede gibt. Weißt du vielleicht darüber Bescheid?
    Nachdem ich auch die "Cups" habe, wie auf dem Bild sichtbar, wäre es toll gewesen, das englische Rezept in diesen anzugeben!

    Liebe Grüße Lilli

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  5. Ich kann dem ewigen Regen gar nix abgewinnen - ist nicht gut für rheumageplagte Knochen. Zum Brot allerdings würde ich mich dem Herrn Ziii anschliessen, ich glaube, das würde ich nur mit Bier runterkriegen. Sieht irgendwie sehr gesund aus ;-)

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  6. Ich wollte meine Brotbackambitionen nach einigen Fehlschlägen schon begraben - und dann kam dieses Rezept. Vielen Dank dafür und für einen Nachmittag, an dem meine Wohnung nach Irland duftete. Die Sehnsucht, endlich wieder dorthin zu fahren wurde zwar nicht kleiner, aber zumindest war ich dann satt :)

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  7. Sag ich doch: Frühling und Sommer sind die zwei schönsten Tage der Woche.... Ja ja Irland MUSS! Danke für die stimmungsvollen Fotos!

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  8. Ein schöner Reisebericht und ein tolles Rezept. Ich werde es auf alle Fälle ausprobieren :)

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