Montag, 27. Februar 2012

Ein bisserl ein peinliches Himbeer-Schokoherz für alle Gelegenheiten...


Ich schließe mich der Meinung von Nigella Lawson an: der Kuchen ist fast schon peinlich. Trotzdem muss ich jedes Mal kreischen, wenn er fertig ist, und er ist ratz fatz fertig!

Ich habe mir für diesen unerhört hübschen Kuchen sogar zwei Herzbackformen gekauft, was nicht ganz meine Art ist, weil ich, erstens, nicht gerne backe und, zweitens, Dinge hasse, deren Verwendung genau einem einzigen Zweck gewidmet ist. Ich habe es gern multifunktional. Eine Schüssel ist brauchbar, wenn sie als Salatschüssel gut dasteht, aber auch als Pastaschüssel taugt, und wenn sie dann noch als Suppenschüssel durchgeht, dann mag ich sie. Herzbackformen sind da nicht so vielseitig, aber das Himbeer-Schokoherz schon. Es passt nämlich für alle Gelegenheiten: Valentinstag, Geburtstag, Muttertag, Hochzeitstag... ja, sogar für eine Beerdigung wäre es angemessen, was die Anschaffung der Backformen wieder rechtfertigt.

Nun ist es aber leider so, dass das Rezept von Nigella für den Schokoladekuchen nix taugt (Nigella Lawson, Festessen S.131-133). Verzeihung, so hübsch er auch aussieht, der Kuchen, nach dem Originalrezept gebacken, ist staubtrocken, bröselig und viel zu wenig schokoladig. Außen hui und innen pfui! Darum probiere ich schon seit einiger Zeit herum. Hängen geblieben bin ich bei diesem Rezept von Ellja.

  • 150 g zimmerwarme Butter
  • 120 g feiner Zucker
  • 3 Eigelb
  • 3 ganze Eier
  • 150 g feinste, dunkle Schokolade - zum Beispiel Lindt 70% mild
  • 120 g Mehl
  • (1 Stamperl Rum) - können Sie für das Schokoherz verwenden, müssen Sie aber nicht

Das Rezept ist eigentlich für kleine Schokotörtchen. Ich verwende die eineinhalbfache Masse. Das geht sich für meine beiden Herzbackformen schön aus. Die beiden Kuchen sollten nicht zu hoch werden.

Zuerst lassen Sie die Schokolade im Wasserbad bei mäßiger Hitze schmelzen. Nicht zu heiß! Dann rühren Sie die Butter cremig. Die Menge sollte sich verdreifachen. Dann geben Sie den Zucker dazu und zunächst ein Eigelb. Weiter rühren und nach und nach die beiden restlichen Eigelb unterrühren. Jetzt kommen die ganzen Eier dran und da müssen Sie wirklich aufpassen, dass Sie schön ein Ei nach dem anderen einrühren und nicht zu hastig, denn sonst verbindet sich das Ei nicht mit der Butter. Sollte es Ihnen trotzdem passieren, ah wurscht! Im nächsten Schritt geben Sie die leicht abgekühlte Schokolade dazu. Und sobald Sie das tun, lässt Sich die Masse wieder schön aufschlagen und vergrößert ihr Volumen. Zum Schluss rühren Sie das Mehl und den Rum unter. Das war's.
Sie können die Eier auch trennen, in Eigelb und Eiweiß und letzteres als Eischnee unter die Schokoladenmasse heben. Das hat sich bei mir aber nicht bewährt, da die Kuchen dann stärker aufgehen und einen Gupf bekommen. Ohne Eischnee bleiben Sie schön flach, was für die Gesamtoptik des fertigen Kuchens vorteilhafter ist. 

So, und nun zum Backen der Herzen. Bisher habe ich mich sehr genau an Elljas Rezept gehalten, doch jetzt mache ich etwas anders: Ich backe die Herzen nämlich im Dampfgarer, was bei diesem Rezept wunderbar funktioniert. Ich habe auch schon andere Schokoladekuchen im Dampfgarer probiert, aber es sind etliche Versuche gescheitert. Mit diesem Rezept funktioniert es.
Die Masse also auf beide Backformen aufteilen. Mit Alufolie locker abdecken und für 25 - 30 Minuten bei 100 Grad in den Dampfgarer schieben. Anschließend die Kuchen abdecken, kurz auskühlen lassen und aus der Form stürzen, damit sie ausdampfen können. Die Herzen bleiben im Dampfgarer natürlich feuchter, was ihnen aber nicht zum Nachteil gereicht.(Wenn Sie die Masse im Rohr backen, halten Sie sich besser an Elljas Angabe: 180 Grad und bei den Minuten ein bisserl mehr, damit die Masse gut durchbäckt).
Grundsätzlich sollten Sie die Herzen, einen Tag, bevor Sie den Kuchen essen, backen und über Nacht kühl aufbewahren. Geschmack und Konsistenz verbessern sich dadurch. Aber bitte nicht in den Kühlschrank stellen. Die Fülle hingegen sollte möglichst frisch gegessen werden, ist also alsbald zu verbrauchen. Stellen Sie den Kuchen daher erst unmittelbar, bevor Sie ihn essen wollen, fertig. Dazu brauchen Sie gerade mal 10 Minuten Zeit und die folgenden Zutaten:

  • 1 Becher (200g) Schlagobers - ein bisserl Schlagobers für die Glasur aufheben
  • 2 Handvoll frische Himbeeren - keine tiefgefrorenen
  • Zucker nach Bedarf - die Menge richtet sich danach, wie süß oder sauer die Himbeeren sind; als Anhaltspunkt nehmen Sie einen guten Esslöffel voll
  • 80 - 100 g Schokolade, wie oben
  • Himbeeren zum Behübschen

Die Schokolade im Wasserbad mit ein bisserl Schlagobers bei geringer Hitze schmelzen lassen.
Eine Handvoll Himbeeren mit einer Gabel grob zerquetschen und mit dem Zucker verrühren. Kosten und eventuell nachzuckern! Die Himbeeren sollten deutlich süß schmecken, sonst wird die Fülle insgesamt zu sauer. Das Schlagobers steif schlagen und die zergatschten Himbeeren, gemeinsam mit der zweiten Handvoll Himbeeren - diese aber im Ganzen - vorsichtig unter das Schlagobers heben. Nur nicht zu viel rühren. Das Weiß des Schlagobers sollte vom Rot der Himbeeren nur durchzogen sein. Die beiden Herzen damit füllen, schön dick, es darf ruhig ein bisserl raus quillen. Den Kuchen dann mit Hilfe eines Palettenmessers mit der Schokoladenglasur überziehen. Die Glasur dabei einfach über den Rand runter laufen lassen und nicht verteilen. Zum Schluss noch mit Himbeeren verzieren.
So, und nun schauen Sie sich Elljas Kuchen an. Ist er nicht hübsch? Ich weiß nicht, ob er ihr gerecht wird. Ich habe Ellja noch nie gesehen. Aber, wenn sie nur halb so gut ausieht wie ihr Schokoladekuchen mit Himbeerstyling, na dann aber hallo! Und peinlich ist da gar nix, denn der Kuchen ist nicht mehr außen hui und innen pfui, nein, nein, der ist genau so, wie ich ihn gerne mag, außen hui und innen WUI!
Sie dürfen jetzt ruhig ein bisserl kreischen. Das ist ok!

Samstag, 25. Februar 2012

Almtaler Selchrahmsuppe oder je nach dem...


Es gibt im Almtal sicher Menschen, die Selchrahmsuppe kochen. Solche könnte man dann als Almtaler Selchrahmsuppen bezeichnen. Meine Selchrahmsuppe habe ich jedoch in Wien gekocht, weswegen sie aber noch lange keine Wiener Selchrahmsuppe ist, weil redet jemand von einer Speise, die eine regionale Bezeichnung trägt, ist er meist gar nicht von dort, von wo er redet. Ergo, bin ich nicht aus dem Almtal, wenn ich von einer Almtaler Selchrahmsuppe erzähle. Ich habe dort nur meinen Winterurlaub verbracht. Ich habe auch kein Rezept mitgebracht, nein, nur ein Stück Selchfleisch aus der hiesigen Fleischhauerei. Die Almtaler Selchrahmsuppe ist mehr das Ergebnis einer Assoziationskette, bestehend aus den Worten Winterurlaub - Almtal - Fleischhauerei - Selchfleisch - Selchrahmsuppe. Das ist durchaus legitim, meine ich, weil Wiener Würstchen ja auch nicht aus Wien kommen und Frankfurter, nicht aus Frankfurt, sondern aus Wien. Genau genommen, sind nicht einmal in Wien die Wiener Frankfurter, sondern einfach nur Wiartschln. Wiener heißen nur die, die in Wien Frankfurter essen. Außerdem bestellt in Wien der Wiener auch nicht explizit ein Wiener Schnitzel, weil was könnt' er sonst meinen, wenn er ein Schnitzel bestellt? Fragen Sie also besser nicht nach einer Almtaler Selchrahmsuppe, wenn Sie im Almtal sind. Es könnte sein, dass die Almtaler nicht wissen wovon Sie reden. Aber eine Rahmsuppe, die kennt in Oberösterreich ein jeder und je nach dem, wo genau Sie sich gerade befinden, bekommen Sie dann eine solche oder eine solche.
Wenn Sie zum Beispiel bei meiner Mutti sind, dann bekommen Sie eine Rahmsuppe immer aus einer geselchten Suppe serviert, wobei nicht die Suppe geselcht wird - sollten Sie das jetzt meinen -  sondern vielmehr ein Stück Geselchtes in der Suppe gekocht wird, weil ein Geselchtes ist ja eigentlich roh und muss gekocht werden. Übrig bleibt eine würzige Suppe mit leichtem Räuchergeschmack, die so mancher in den Abfluss kippt. Schön blöd!

  • 1/2 kg Selchfleisch, roh  - das zu bekommen, wird für Leser aus Deutschland bei diesem Rezept wohl die größte Herausforderung sein
  • 1 kleiner Bund Suppengrün - diese Zutat ist nicht zwingend, es geht auch ohne, trägt aber sehr zur geschmacklichen Abrundung bei; es reicht aber ein bisserl Sellerie, Petersilwurzel und Zwiebel oder Lauch
  • 1 TL schwarze Pfefferkörner
  • 4 Zehen Knoblauch, mit dem Kochlöffel zerquetscht
  • gut 1 Liter Wasser - das Fleisch sollte im Topf bedeckt sein
Das Suppengemüse putzen und grob zerkleinern. Alle Zutaten für die Suppe in einen Topf geben. Einmal kurz aufkochen lassen, Hitze reduzieren und 30-40 Minuten bei geschlossenem Deckel leicht dahin köcheln lassen bis das Fleisch durch ist. Die Suppe nicht salzen, da das Selchfleisch meist genügend Salz enthält. Anschließend die Suppe abseihen und wieder zurück in den Topf geben. Sie sollten jetzt noch ungefähr einen Liter Suppe haben. Das Fleisch in Stücke schneiden und warm stellen.

  • ca. 1 Becher (150-200g)  Sauerrahm - die genaue Menge richtet sich nach Ihrem Geschmack, sie können auch mehr nehmen, wenn Sie die Säure mögen oder auch ein bisschen weniger, wenn Sie sich langsam herantasten wollen
  • 1 gehäufter EL Mehl
  • 1/2 Knoblauchzehe
  • 1 großzügige Messerspitze gemahlener Kümmel
  • geriebene Muskatnuss
  • 1/4 TL Zucker, vielleicht ein bisserl weniger
  • eventuell Salz
Den Sauerrahm mit dem Mehl glatt rühren. Es dürfen keine Klumpen mehr im Rahmgmachtl sein. Die Knoblauchzehe durch die Knoblauchpresse in die Suppe drücken und aufkochen lassen, aber vorsichtig bitte mit dem Knoblauch - nicht zu übermütig, nur einen Hauch. Einen Schöpflöffel Suppe zum Rahmgmachtl geben und wieder gut verrühren, sodass dieses ein bisserl dünnflüssiger wird und Sie es besser in die Suppe einlaufen lassen können. Dann das Gmachtl unter ständigem Rühren mit dem Schneebesen in die Suppe einrühren. Einmal kurz aufkochen lassen und anschließend mit Kümmel, Muskat, Zucker und eventuell Salz abschmecken. Das Mehl sorgt dafür, dass die Suppe ein bisserl dicker wird und der Rahm nicht ausflockt beim Kochen. Oft wird bei einer Rahmsuppe noch zusätzlich mit Essig gewürzt. Mir ist aber die milde Säure des Rahms ausreichend.


Die klassische Suppeneinlage für Rahmsuppe, zumindest in Oberösterreich, ist geröstetes Schwarzbrot - dunkles, würziges Sauerteigbrot aus Roggenmehl, in Würfeln oder auch in ganzen Scheiben. Das Schwarzbrot, am besten altes, wird in einer Pfanne trocken geröstet oder getoastet, anschließend, solange es noch heiß ist, mit einer angeschnittenen Knoblauchzehe abgerieben und eventuell in Würfel geschnitten.

Zum Servieren das geröstete Brot und ein bisschen von dem Fleisch in einen tiefen Teller geben. Mit heißer Suppe aufgießen und, nach Geschmack, noch mit ein bisschen grob gestoßenem Kümmel bestreuen. Die Mutti gibt in die Suppe auch noch frischen Schnittlauch hinein. Ich habe aber um diese Jahreszeit keinen schönen gefunden, nur so letschertes, hellgrünes Zeug. Bekommen sie aber dunkelgrünen, festen Schnittlauch, dem beim Anschneiden richtig der Saft aus den Röhren quilt, nur zu. Einfach eine ordentliche Portion davon über die Suppe streuen.
Sie können aber auch Kartoffeln als Suppeneinlage verwenden, wie in dieser Rahmsuppe aus dem oberösterreichischen Mühlviertel. Ich sag ja, je nach dem, wo Sie halt herkommt, die Suppe. Bei einer Kartoffeleinlage würde ich persönlich zu einer sehr mehligen Sorte greifen, die beim Kochen schon fast von alleine zerfällt. Die Kartoffeln dann im Ganzen mit der Schale gemeinsam mit dem Selchfleisch in der Suppe garen. Rechtzeitig herausnehmen und schälen. Dann noch heiß mit den Fingern ein bisserl zerquetschen und in den Suppenteller setzen. Salzen, fertige Rahmsuppe darübergießen und fertig. Schnittlauch ist hier schon fast obligatorisch.

Die Schwiegermutter kommt aus dem ganz östlichen Teil Österreichs, dem Burgenland und kocht die Rahmsuppe mit Bohnensterz - aus Bohnen, Mehl und ordentlich Schmalz. Der Herr Ziii möcht' sich da drin gerne eingraben. Nur ein Glasers Schilcher dazu, macht ihn noch glücklicher. Das ist dann aber schon fast ein bisserl steirisch, wo Ihnen die Rahmsuppe mit Heidensterz aus Buchweizenmehl kredenzt wird. Und ich bin überzeugt, es gibt noch hundert andere Varianten Rahmsuppe zu essen, je nach dem...


Samstag, 18. Februar 2012

Schwarzes Sesameis auf weißem Schnee


Der Geschmack der Japaner in punkto Essen ist eigen, genauso wie die kulinarischen Vorlieben der Europäer für Japaner gewöhnungsbedürftig sind. So gilt Kuhmilch in Japan als ausgesprochen exotisches Nahrungsmittel. Für den Großteil der Japaner ist diese sogar eine eher grausige Zutat am Speiseplan. Eis aus Kuhmilch hat demnach keine sehr lange Tradition in Japan, erfreut sich aber immer größerer Beliebtheit. Eissalons nach westlichem Vorbild sind in den Straßen der japanischen Großstädte mittlerweile keine Seltenheit mehr. Was die Eissorten betrifft, hat das Inselvolk jedoch einen ganz individuellen Style entwickelt. Für uns Europäer kommt der Gang in einen japanischen Eissalon eher einer Fahrt in einer kulinarischen Geisterbahn gleich. So werden Sorten angeboten, wie Pferdefleisch und Ziege, Aal, Tintenfisch oder Algen. Wohlgemerkt sind alle Sorten nicht pikant, sondern, so wie bei uns, aus den Hauptbestandteilen Milch und Zucker produziert. Sie schmecken also süß!!! Wie wäre es mit süßem Knoblaucheis oder Eis mit Austerngeschmack, Meerwasser, Wasabi oder Spinat?
Es gibt aber auch japanische Eissorten wie Matcha, Adukibohnen oder schwarzes Sesameis, die für den europäischen Gaumen verkraftbar sind. Sie werden bei uns oft in traditionellen japanischen Restaurants angeboten. Mein erstes Sesameis habe ich in einem solchen gegessen und war entzückt von dem feinen, nussig-herben Geschmack. Und mittlerweile bringe ich sogar selbst gutes Eis aus schwarzem Sesam zu Stande. Warum ich ausgerechnet gestern bei Schneesturm die Eismaschine ausgepackt habe, kann ich Ihnen aber nicht so genau sagen. Irgendwie war's gerade recht.

  • 200 ml Milch
  • 100 ml Obers
  • 2 EL Zucker - ich verwende meistens hellen Rohrohrzucker - falls Sie anderen Zucker verwenden, passen Sie die Menge entsprechend an. Die Eismasse muss im ungefrorenen Zustand deutlich süß schmecken. Der Zucker verliert sich später wieder. Wenn Sie mit Zucker sparen, wird die Konsistenz zu fest, verwenden Sie zuviel Zucker wird das Eis nicht richtig fest und schmilzt sehr schnell.
  • 8 EL schwarze Sesamkörner - nach dem Mörseren erhalten Sie daraus ungefähr 2-3 EL Paste
  • 1 Prise Fleur de Sel, wenn Sie haben, ansonsten normales Salz
  • Reste einer ausgekratzten Vanilleschote
  • 1ganzes Ei
  • 1 Eidotter
  • 1 EL Staubzucker - der löst sich leichter in der Eimasse auf
Im Asiasupermarkt können Sie zur Not auch fertige Sesampaste kaufen. Die Menge müssen Sie aber entsprechend anpassen. Aus den acht Esslöffeln Sesamkörnern im Rezept ergeben sich ungefähr zwei bis drei Esslöffel Paste. Wenn sie fertig gekaufte Paste verwenden, hängt die Menge auch von der Qualität der Paste ab, also wie intensiv diese schmeckt. Kosten Sie vorher! Sie werden mit einer minderwertigen Sesampaste kein gutes Sesameis zu Wege bringen. Das ist aber, denke ich, eh jedem klar. Passen Sie auf jeden Fall auf, dass Sie keine schwarze Bohnenpaste erwischen! Solches Eis können Sie nur echten Japanern servieren ;-) Selbst gemachte Sesampaste schmeckt jedenfalls um Welten besser und es ist kein besonders großer Aufwand. Sie brauchen nur einen guten Mörser - groß, schwer und am besten aus Stein.

Milch, Obers, Zucker, Salz und Vanilleschote in einem Topf erwärmen und ziehen lassen. In der Zwischenzeit die Sesamkörner in einer heißen Pfanne trocken rösten, bis sie wunderbar duften. Passen Sie aber auf, dass Sie den Sesam nicht zu stark rösten, denn dann wird er bitter. Ungefähr zwei Drittel der Körner in einem steinernen Mörser zerstoßen, und zwar ordentlich. Der Duft wird Sie überwältigen und Sie bekommen eine Idee davon, was Sie bald erwartet. Die Sesamkörner müssen so gründlich bearbeitet werden, dass eine homogene, dicke, schwarze und ölige Paste entsteht. Sie können auch ein paar Tropfen feinstes Sesamöl dazugeben, damit sich die Paste leichter verarbeiten lässt. Aber nur, wenn Sie wirklich gutes Sesamöl haben. Diese Paste geben Sie zur Milchmischung und lassen das Ganze einmal kurz aufkochen. Dann leicht auskühlen lassen. Jetzt die restlichen Sesamkörner im Mörser zerstoßen, aber nicht mehr ganz so fein. Sehen Sie sich die Fotos gut an. Auch diese Sesamkörner zur Milch geben. Die Milch dickt durch die Sesampaste bereits stark ein.


In einem Wasserbad die Eier mit dem Zucker verschlagen, aber nicht schaumig rühren. Die Vanilleschote entfernen und die noch warme Milch-Sesammasse in die Eimasse einrühren. Jetzt kommt der schwierigste Teil. Sie müssen die Mischung "zur Rose" ziehen. Das bedeutet, dass Sie die Masse so lange im Wasserbad erhitzen (das Wasser aber nicht kochen lassen), bis diese eindickt und zwar ohne dabei Eierspeis zu produzieren. Währenddessen immer rühren, rühren und nochmals rühren! Am Anfang sollten Sie sich vorsichtig an die richtige Temperatur herantasten. Sie bekommen dann aber ein Gefühl dafür, wann das Wasserbad zu heiß ist und wann zu kalt. Die Rosenprobe besteht darin, die Masse über den Rücken eines hölzernen Kochlöffels gleiten zu lassen und darüber zu blasen. Dabei sollte sich ein wellenförmiges Muster bilden, das einer Rose gleicht. Da die Masse aber eine große Menge an Sesampaste enthält, dickt sie sehr stark ein. Darum pickt meine Rose jetzt als schwarze Pletschen an unserer weißen Küchenwand. Rühren sie lieber so lange, bis Sie merken, dass die Masse eindickt und sparen Sie sich das Blasen aus. Das reicht. Dann nehmen Sie die Schüssel aus dem Wasserbad und rühren noch ein bisserl weiter, bis der Garprozess unterbrochen ist. Wie gesagt, achten Sie tunlichst darauf, dass die Eier nicht ausflocken, sonst war alles umsonst. Es geht wirklich um Sekunden. Also nicht mal schnell auf die Toilette gehen oder so.

Das war's dann eigentlich schon. Wenn Sie eine Eismaschine ohne Kühlkompressor haben, stellen Sie die Masse mehrere Stunden in den Kühlschrank, bis sie wirklich gut durchgekühlt ist. Bei einer Eismaschine mit eingebauter Kühlung können Sie die Masse gleich entsprechend weiter verwenden. Etwas Stehzeit tut derselbigen aber gut, da sie noch nachdunkelt. Das sieht hübsch aus. Sie erhalten einen wunderschönen anthrazitgrauen Farbton und das fertige Eis scheint wie aus Stein gemeiselt.

So, und was macht mein Eis jetzt draußen im Schnee? Ganz einfach... es schmilzt nicht! Es lässt sich geduldig von allen Seiten fotografieren. Und weil ich in dieser Disziplin nicht die Schnellste bin, stehe ich Narrische bei eisiger Kälte und Schneesturm in meinem Garten und fotografiere Eis im Schnee. Nach einer halben Stunde ist die Schüssel fest gefroren und die Zapfen hängen mir von der Nase, was mich aber nicht daran hindert das Eis auch noch zu essen. Dabei stelle ich fest, dass der feine Pulverschnee geschmacklich außerordentlich gut mit dem Sesameis harmoniert. Ich schaufel also mit klammen Fingern das Eis samt Schnee in mich hinein und stelle mir vor, ich sitze irgendwo in den tief verschneiten Bergen Japans fest, als letzte Überlebende einer Expedition auf der Suche nach japanischen Eissorten, und denke mir einen japanischen Prinzen dazu, der des Weges geritten kommt, um mich vor dem Erfrierungstod zu retten, weil ich zuviel von dem schwarzen Sesameis gefressen habe...

Und sollten Sie jetzt auf die Idee kommen, schwarzes Sesameis auf weißem Schnee bei Uwes Blogevent einzureichen... vergessen Sie's! Im Dezember gibt es eh keinen Schnee. Ich melde mich prophylaktisch jetzt schon an.

Samstag, 11. Februar 2012

Ingwer-Orangentee oder die Mär aus dem Alten China



Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf , dass er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert promt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

(Christian Morgenstern)

Renommierte Ärzte, ausgebildete Diätetiker, selbsternannte Ernährungsspezialisten, der nette Kellner, die fürsorgliche Nachbarin und sogar die beste Freundin raten Ihnen dazu. Die Botschaft verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Liebe Leute, sauft Ingwertee, denn das hält Euch den Schnupfen vom Leib und lässt Euch im Handumdrehen wieder gesunden, wenn Ihr mit einer Erkältung oder der Grippe darniederliegt. Ich bin mir sicher, dass Sie das schon wussten, alleine, es stimmt nicht! Es ist ein Märchen, ein Gerücht, das sich wie so viele andere hartnäckig in den Köpfen der Leute festsetzt. Orangensaft trinken wegen der Vitamine, Hühnersuppe um zu Kräften zu kommen und gaaaaanz viel Ingwertee, ja, dann fällt der Krankenstand besonders lange aus und die Verkühlung, die sie in drei Tagen locker weg gesteckt hätten, wird zum Wochenprojekt und sogar nach zwei Wochen schneutzen Sie noch die grüne Rotzglock'n raus oder husten sie ins Waschbecken rein. Pfui, deibel!

Das vermeintliche Wissen um die Zauberkraft der Ingwerwurzel ist vor einigen Jahren zu uns herüber geschwappt. Die in der chinesischen Kräuterheilkunde seit Jahrtausenden bekannte Wirkung des Ingwers findet nun auch Eingang in unsere Heilkunde und wird vermantschkert mit westlicher Gesundheitslehre und Medizin. Ingwertee wärmt und treibt die Kälte aus! - Stimmt sogar, wird aber leider völlig falsch angewendet, da das fundierte Wissen der chinesischen Heilkunde fehlt. Während in China ein Arzt mindestens sechs Jahre braucht um seine Grundausbilung in der Traditionellen Chinesischen Medizin zu absolvieren, dann aber noch immer als blutiger Anfänger gilt, weil ein guter chinesischer Mediziner halt auch die Erfahrung der Jahre braucht, absolvieren Sie als westlicher Mediziner hier in Österreich - Ärztekammer sei Dank - lediglich einen Wochenendcrashkurs um sich als Spezialist in Sachen TCM bezeichnen zu dürfen. Kann ja net so schwer sein, oder?

Lassen Sie es mich erklären. Haben Sie Zeit? Ich muss dazu nämlich ein bisserl ausholen, was mir persönlich nix ausmacht, weil ich eh in Urlaub bin und draußen ist es so kalt, dass das Skifahren sowieso ein klein wenig unlustig ist. Also, sitze ich hier am offenen Kamin, trinke Ingwertee und erzähle Ihnen die Mär von demselbigen. Wenn Sie gar nicht wissen wollen, warum es oft besser ist keinen Ingwertee zu trinken, überspringen Sie den nächsten Teil und lesen Sie einfach bei der Zubereitung weiter.

Exkurs
Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt fünf sogenannte Funktionskreise im menschlichen Körper. Jeder Funktionskreis übernimmt im Körper bestimmte Aufgaben und steuert ganz bestimmte Körperfunktionen. Die Funktionskreise selbst stehen natürlich untereinander in Beziehung. Störungen innerhalb der Funktionskreise bringen das gesamte System aus dem Gleichgewicht und führen zu Krankheit. Die Therapie in der Chinesischen Medizin besteht vorrangig in der Einflussnahme auf eben diese Funktionskreise, zum Beispiel über Kräutertherapie oder Ernährung. Jedes einzelne Kraut und jedes einzelne Lebensmittel ist in der TCM detailiert hinsichtlich seiner Wirkung auf die Funktionskreise beschrieben. Die Zuordnung zu einem Funktionskreis erfolgt sehr häufig über den Geschmack - sauer, bitter, süß, scharf und salzig, wobei die Ernährungslehre nach der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht gleichzusetzen ist mit der Fünf-Elemente-Küche. Letztere ist eine westliche Lehre, die zwar auf der TCM fußt, aber im traditionellen China weder erfunden wurde, noch dort angewendet wird. 
Ingwer ist in seinem Geschmack scharf, sehr scharf sogar. Dadurch entfaltet die Wurzel vor allem, aber nicht nur, Wirkung im Funktionskreis Fei. Dieser beherrscht die Atmung, und zwar die gesamte. Ihm ist das Organ Lunge zugeordnet, aber auch die Haut. Die Atmungsorgane haben den stärksten Kontakt nach außen und sind daher am anfälligsten für krankmachende Faktoren von außen, wie zum Beispiel Viren oder Kälte (Sie wissen ja: Kälte kriecht unter die Haut). Eine Erkältung oder auch ein grippaler Infekt dringt also von außen über den Funktionskreis Fei, die Lunge und die Haut in den Körper ein und genau dort müssen sie auch wieder raus, meint der Chinese. Der Ingwer ist dafür nun bestens geeignet. Er wirkt eben auf genau diesen Funktionskreis. Die Chinesen sagen auch: Der Ingwer öffnet die Poren, bewegt an der Oberfläche und bringt das krankmachende Pathogen wieder nach draußen. Er kann aber noch was: erhitzen, und zwar ganz ordentlich! 
In der TCM wird ein Kraut oder Lebensmittel zusätzlich auch nach seiner thermischen Wirkung beurteilt, also der Fähigkeit den Körper und den entsprechenden Funktionskreis zu kühlen oder ihn zu erhitzen.
Beispiel:
Draußen hat es 30 Grad Außentemperatur. Es ist heiß und sie schwitzen. Ich biete Ihnen eine
Gulaschsuppe an und eine Wassermelone. Was wählen Sie?
oder
Draußen hat es minus zehn Grad und Sie kommen von einem Spaziergang im Schnee. Ich biete Ihnen wieder eine Gulaschsuppe und eine Wassermelone an. Was wählen Sie diesmal? 
Die Temperatur des Nahrungsmittels selbst, also ob es heiß oder kalt gegessen wird, hat dabei nur einen kleinen Einfluss auf die thermische Wirkung im Körper. Diese liegt in der Natur des Nahrungsmittels selbst und kann durch Kochen oder Kühlen nur geringfügig geändert werden. Ingwer ist und bleibt heiß, auch wenn Sie ihn in den Kühlschrank legen und Wassermelone bleibt kalt, selbst wenn Sie Punsch draus kochen.
Und jetzt verwechseln Sie scharf nicht mit heiß. Nicht alles was scharf ist, macht Sie heiß! Pfefferminze ist ebenfalls scharf, aber nicht heiß, sondern kühl. Denken Sie an den scharf-kühlen Effekt von Mentholzuckerl oder an die Eigenart der Araber bei Hitze literweise Minzetee - Thé à la menthe  - zu trinken. 
So, ich fasse zusammen: Die Traditionelle Chinesische Medizin unterscheidet bei Lebensmittel den Geschmack - sauer, bitter, süß, scharf und salzig - der die Zuordnung zu einem Funktionskreis bestimmt und zwischen der thermischen Wirkung eines Lebensmittel - das Spektrum reicht dabei von heiß, warm, über neutral, bis zu kühl und kalt. Das ist wie Schifferl versenken. Stellen Sie sich eine Tabelle vor, mit fünf Spalten und fünf Zeilen. In den Zeilen sind die fünf Geschmäcker untereinander aufgelistet, die thermische Wirkung in den fünf Spalten nebeneinander.
Der scharfe Geschmack wirkt also auf die Lunge und die Haut. Er öffnet die Oberfläche und treibt krankmachende Faktoren aus. Das kann Kälte sein, aber auch Hitze. Ingwer ist scharf, aber heiß. Er steht in der Tabelle in der Zeile 'Scharf', links in der ersten Spalte unter 'Heiß'. Er hilft bei Kälte. Pfefferminze ist auch scharf und steht in der gleichen Zeile wie Ingwer, aber ganz rechts außen unter 'Kalt'. Er treibt Hitze aus. Alles klar? Gleich hammas!
Ob Ingwertee Ihnen hilft, wenn die Nase rinnt und der Schädel brummt, hängt also davon ab, ob Sie Hitze oder Kälte in sich tragen. Der Chinese spricht nicht pauschal von einer Erkältung, sondern unterscheidet zwischen (Wind)hitze und (Wind)kälte. Kälte hat außerdem die Tendenz sich im Krankheitsverlauf in Hitze umzuwandeln - ohne Erklärung - belassen wir es einfach dabei! Jede Erkrankung im Funktionskreis Fei, die von außen kommt, wird in einem fortgeschrittenem Stadium fast unweigerlich zur Hitzeerkrankung. Was bei uns im Volksmund oft fälschlicherweise als Erkältung bezeichnet wird oder als Kälteerkrankung beginnt, ist meist gar keine Kälte im chinesischen Sinn, sondern eine handfeste (Wind)hitze.
Es ist Ihnen jetzt hoffentlich klar, dass Ihnen bei einer (Wind)hitze nicht geholfen ist, wenn Sie Ingwertee trinken. Bei schwerer Grippe mit hohem Fieber oder entzündlichen Prozessen ist das sogar ein bisserl gefährlich. Wenn Sie bisher gut aufgepasst haben, wissen Sie aber, dass Sie dann einen Pfefferminztee brauchen. (Vielleicht aber auch nicht - wie gesagt, die Materie ist komplex ;)
Jetzt wollen Sie sicher auch noch wissen, woran Sie den Unterschied zwischen Hitze und Kälte erkennen? Zum Glück, hat es draußen jetzt auch noch zu schneien begonnen und ich habe ein bisserl Zeit extra.
Windhitze können Sie anhand folgender Merkmale sicher erkennen: komplett verstopfte Nase, wo überhaupt nix geht oder eine gelbe bis grünliche Rotzglocken im Taschentuch, wenn Sie sich schneutzen (sowas in einem Foodblog - na, geh!). Fieber ist ebenfalls ein sicheres Zeichen für Hitze, ebenso jede Form von entzündlichen Prozessen, wie zum Beispiel brennender Halsschmerz.
Tropft Ihnen jedoch weißer oder durchsichtiger Rotz wie Wasser aus der Nase, können Sie sicher sein, dass die Kälte in Ihnen wohnt. Frösteln hingegen ist kein sicheres Zeichen. Das kann auch durch Fieber verursacht sein. Alles weitere ist schwierig und sollten Sie besser einem Spezialisten überlassen, weil sehr komplex in der Thematik.
Ah ja, und noch was. Hochprozentiger Alkohol ist aus Sicht der TCM ebenfalls scharf und heiß. Sie können sich also genauso gut ein Stamperl Schnaps genehmigen, anstatt Ingwertee zu trinken. Das erfüllt den gleichen Zweck. Die westliche Kultur neigt halt dazu, exotischen Nahrungsmitteln Zauberkräfte nachzusagen. Abrakadabra! Ein Nussschnaps scheint zu profan, was ein schwerer Fehler ist. Den Schnaps haben Sie nämlich schneller zur Hand wie den Ingwertee. In der Zeit, die Sie brauchen um frischen Ingwer zu kaufen und entsprechend lange zu kochen, ist Ihre 'Erkältung' schon längst im Hitzestadium.

Doch "grau, teurer Freund ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum". Wenden wir uns daher der Praxis zu. Die, an der Theorie Uninteressierten, können genau hier wieder einsteigen. Ich will Ihnen nun vier verschiedene Arten zeigen Ingwertee zu kochen: Einmal Ingwertee für den Alltag, einmal als therapeutisches Mittel, einmal in einer erweiterten Variante und einmal total unchinesisch, aber endlos gut.

1. Ingwertee - Ginger 'Light' - ein alltagtaugliches Rezept

Hier handelt es sich um eine Art Ingwertee zu kochen, die, ich will nicht sagen nutzlos, aber in seiner therapeutischen Wirkung sehr reduziert ist. Die Zubereitung ist denkbar einfach. Sie schneiden von einer frischen Ingwerwurzel mit Schale zwei dünne Scheiben ab und schmeißen diese in ein Teehäferl. Anschließend brühen Sie den Ingwer mit kochend heißem Wasser auf. Nach Geschmack ungefähr fünf Minuten oder länger ziehen lassen und dann den Ingwer herausfischen.
Der Tee bringt Ihnen bestenfalls ein bisserl wohliges Wärmegefühl und beugt gegen Verkühlung vor, sofern sie die Richtlinien, die weiter unten beim therapeutischen Ingwertee angeführt sind, einhalten. Einen Schnupfen, im Sinne einer (Wind)Kälte, werden Sie damit aber sicher nicht los.



2. Ingwertee  - Ginger 'Heavy' - ein scharfer Ingwertee für therapeutische Zwecke

Dies ist die typisch chinesische Variante des Ingwertees, wie er zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird. Dazu brauchen Sie ein paar Scheibchen mehr.
  • 1 walnussgroßes Stück frischer Ingwer mit Schale
  • 1,5 l Wasser
  • 1 EL chinesische Süßholwurzel (Radix Glyzyrrhiza uralensis - Gan Cao) - wer den leichten Lakritzegeschmack nicht aushält nimmt
  • ersatzweise 1 TL Honig, aber nicht mehr
Schneiden Sie den ungeschälten Ingwer in dünne Scheiben und lassen Sie ihn 20 Minuten mit der Süßholzwurzel in 1 Liter Wasser schwach kochen. Die Flüssigkeit wird sich dabei um ein Drittel reduzieren. Anschließend den Sud abseihen und leicht auskühlen lassen. Falls Sie Honig verwenden, süßen Sie den Tee erst, wenn er fertig ist. Der Tee schmeckt sehr scharf und leicht süß. Die Süßholzwurzel oder der Honig erfüllt hier den Zweck, eine unerwünschte Nebenwirkung, nämlich den yinzehrenden Effekt des Ingwers, abzuschwächen.
Beim Genuss dieses Tees müssen Sie allerdings ein paar Richtlinien einhalten, sonst geht die Therapie ordentlich in die Hose. Wie Sie oben ja gelesen haben, öffnet der Ingwer die Oberfläche, was den Sinn hat, dass krankmachende Faktoren nach draußen getrieben werden können. Leider funktioniert das auch umgekehrt. Ist die Körperoberfläche "offen" muss tunlichst darauf geachtet werden, dass auch nix Gemeines rein kann. Es ist daher völliger Schwachsinn, vorbeugend in der Früh Ingwertee zu trinken und anschließend den Weg zur Arbeit anzutreten, wie so oft empfohlen. Beherzigen Sie lieber die folgenden Ratschläge:
  • trinken Sie Ingwertee nur dann, wenn Sie anschließend das Haus nicht mehr verlassen oder sich irgendwie anders Kälte oder Zug aussetzen, also NACHDEM Sie im Büro sind und NACH dem Spaziergang im Schnee, aber auf keinen Fall vorher
  • schützen Sie besonders den unteren Nackenbereich. Dort befinden sich die, in diesem Zusammenhang wichtigen Windpunkte
  • ziehen Sie sich auch im Haus warm an oder noch besser, gehen Sie ins Bett und schlafen Sie sich aus

3. Ingwertee - Ginger 'Medium de Luxe' - eine erweiterte Variante des Ingwertees für therapeutische Zwecke, der aber auch gut schmeckt

  • 6 große Scheiben Ingwer
  • 1 TL chinesische Süßholwurzel (Radix Glyzyrrhiza uralensis - Gan Cao)
  • ein bisserl grüne Mandarinenschale aus der Apotheke (Pericarpium Citri reticulatae - Chen Pi) oder ersatzweise Zitronenschale, die allerdings von der Wirkung nicht gleichzusetzen ist
  • 1 Zweigerl  Thymian - den habe ich im Garten aus dem Schnee gegraben
  • 1 Birne
  • 1,5 Liter Wasser
  • 1 EL Honig
Die Birne schälen und in einen hohen Topf geben. Die ersten vier Zutaten dazugeben und mit dem Wasser auf den Herd stellen. Dann, ohne den Tee kochen zu lassen, mindestens 20 Minuten erhitzen bis die Birne schön weich ist. Zum Schluss mit dem Honig süßen.
Die Wirkung des Tees ist wie oben beschrieben, aber zusätzlich noch schleimlösend und hilft bei Husten.




4. Ingwertee - Ginger 'Gourmet'  - ein total unchinesischer Ingwer-Orangentee für Feinschmecker
  • 2 EL fein gewürfelten Ingwer mit Schale - das ist ungefähr ein ein-Daumen-großes Stück
  • 1 TL chinesische Süßholwurzel (Radix Glyzyrrhiza uralensis - Gan Cao) - sie bekommen sie in der Apotheke oder in einem gut sortierten Asiashop mit chinesischem Schwerpunkt - muss aber nicht unbedingt sein - vor allem, wenn Sie den schweren, süßlichen Geschmack von Lakritze nicht mögen, lassen Sie sie besser weg und ersetzen Sie durch Honig
  • 1 kleine Stange Zitronengras, in Scheiben geschnitten
  • hauchdünne, mit dem Sparschäler abgezogene, Haut einer ganzen Bioorange - da sollte auf keinen Fall etwas Weißes dran sein - die Orangenschale ist für den Geschmack des Tees übrigens sehr wichtig, also nicht einfach weglassen.
  • 1,5 Liter Wasser - die Flüssigkeit reduziert sich beim Kochen
  • Saft von 2 Bio-Blutorangen (Moro) oder einer anderen säuerlichen Orangensorte
  • 1 EL Honig
Was die Orangen betrifft, sollten Sie noch Folgendes berücksichtigen. Ich habe mit verschiedenen Orangensorten experimentiert. Die besten Ergebnisse erzielte ich mit der Blutorange "Moro". Einerseits ergab diese die hübscheste Farbe und anderseits war diese säurebetonte Sorte geschmacklich ideal. Ich hatte anfangs eine andere, süßere Sorte verwendet. Davon brauchte ich deutlich mehr Saft. Wieviel genau Sie also vom Orangensaft brauchen, hängt stark von der Sorte ab. Auf jeden Fall sollte die Orange nicht dominieren, sondern dem Ingwertee nur ein gewisses Extra verleihen.Verwenden Sie zuviel Orange, mutiert der Tee zum Punsch. Denken Sie eher an die Nuance, die Zitrone einem Schwarztee verleihen kann. Da wollen Sie ja auch keine heiße Zitronenlimonade. Bei einer großen, saftigen Orange kann daher auch ein Stück ausreichend sein. Es gibt ja die Orangenschale bereits ein hervorragendes Aroma. Lassen Sie sich von der Farbe des Tees auf meinem Foto nicht beeindrucken. Ich habe ihn bei Sonnenlicht gegen das Licht fotografiert. Die natürliche Farbe des Tees ist, je nach Orangensorte, wesentlich blasser.
Die ersten vier Zutaten und das Wasser gemeinsam aufkochen und ungefähr 15 Minuten auf kleiner Flamme ziehen lassen. Nicht kochen! Anschließend den Orangensaft und den Honig dazugeben, nochmal 5 Minuten ziehen lassen ohne den Tee zu kochen. Ich lasse den Tee einfach auf unserem Kaminofen stehen. Kosten Sie! Der scharfe Geschmack des Ingwers sollte klar hervortreten. Die Säure der Orangen und vor allem das Aroma der Orangenschale sollten dem Tee eine dezente Orangennote geben und die Süße der Wurzel und des Honigs sollte sich harmonisch einfügen.

Eine therapeutische Wirkung ist bei diesem Tee fragwürdig, da der säuerliche Geschmack der Orangen und des Zitronengras aus Sicht der TCM den gegenteiligen Effekts des Ingwers haben. Der saure Geschmack schließt die Oberfläche. In China wird Ingwer daher traditionell nicht in Kombination mit Zitrusfrüchten verwendet, ausgenommen Zitrusschalen. Wenn die Ingwer-Orangen-Kombination in diesem Sinne also etwas absurd erscheint, schmeckt der Tee dennoch grandios und geht bei uns weg wie die warmen Semmeln. Sogar das Fräulein trinkt mit, das ja Ingwertee normaler Weise gar nicht leiden kann.
Für welche der vier Arten auch immer Sie sich entscheiden. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall, dass der Schnupfen nicht hinter der nächsten Ecke auf Sie lauert...bleiben Sie gesund und munter! Pitschü!


PS: Mich würde jetzt wirklich interessieren, wieviele Leser alles gelesen haben und nicht w.o. gegeben haben?

Freitag, 3. Februar 2012

Von Fischbällchen, Ingwertee und Schafwolldecken


Ich schlafe gerne kühl. Eingepackt in eine dicke Schafschurwolltuchent, braucht es dort, wo ich schlafe keinen Ofen. Aber die Decke ist heute in der Früh irgendwie schwer und bockig. Der Herr Ziii, noch in der Dunkelheit aus dem Haus geschlichen, ruft an und meint: Schatzi, zieh dich warm an. Draußen hat's minus sechzehn Grad. - Ui, das ist aber schon kalt! Ich steck' den Kopf unter der Decke raus und, aha, darum ist die so schwer. Katzen, überall Katzen! Heute keine Mäusejagd - der Kater und seine Mädels haben beschlossen im Haus zu bleiben und raufen sich um die besten Plätze. Aber ich arme Maus muss raus. Das Fräulein hat Schulausgang in die Albertina und ich habe versprochen sie abzuholen. Um diesem Tun einen tieferen Sinn zu geben, schlag ich einen Haken zum Wiener Naschmarkt. Strahlender Sonnenschein und klirrende Kälte, aber, es ist wegen dem Fisch und nur wegen dem. Nein, Eis brauch ich heute keines, danke! Aber wenn ich schon da bin, hole ich mir auch noch so allerhand Asiatisches und in Kimkocht`s Shop&Studio husch ich auch noch schnell rein. Was bin ich glücklich, dass es dort hausgemachten Ingwer-Orangentee gibt! Beim Rausgehen bleib ich natürlich bei den Gewürzmischungen, Saucen und Dressings hängen. Zwei davon packe ich ein. Am Stand vis-à-vis hol ich mir noch ein Kilo Orangen und Ingwer- für den Tee - und los geht`s!


  • 1 schöne Goldbrasse - lassen Sie diese bei Ihrem Fischhändler filetieren und die Haut der Filets entfernen. Nehmen Sie die Fischkarkassen mit. Daraus können Sie Suppe kochen. Vergessen Sie nicht die Kiemen entfernen zu lassen, denn die machen die Suppe bitter. Falls Sie gleich mehr Fischbällchen zubereiten wolle, nehmen Sie noch ein Kabeljaufilet dazu.

Für die Fischbällchen noch zusätzlich
  • 5cm Stück frischer Ingwer
  • 1 TL Fischsauce

Für die Suppe (ungefähr 1 Liter)
  • 1 Stengel Zitronengras, mit dem Messerrücken ordentlich gequetscht
  • 2 Kaffirlimettenblätter
  • 8 Scheiben frischer Ingwer
  • 8 Scheiben frischer Galgant
  • 2 große Zehen Knoblauch in Scheiben
  • 2 getrocknete Shitakepilze, und nein keine Steinpilze als Ersatz
  • 1 Frühlingszwiebel, nur das weiße
  • 2 Korianderwurzeln
  • ein paar Stengel Thaibasilikum - nur die Stengel, wär' schade um die Blätter
  • 2 EL Fischsauce
  • 1 Prise Zucker
  • Meersalz
  • 1 TL Bonitoflocken

Zu guter Letzt
    • Asiatisches Chilliöl - am besten Sesamöl mit Chilli
    • Thaibasilikum
    Wie Sie sehen, braucht es eine Menge an frischen Zutaten und Aromen, die Sie üblicher Weise nicht im Supermarkt kaufen können. Kochen Sie die Suppe dann, wenn Sie die Möglichkeit haben auf einem gut sortierten Markt einzukaufen. Kompromisse sind hier fehl am Platz.  Für die Fischbällchen die Filets mit einer Pinzette gründlich entgräten. Anschließend in einen Blitzhacker geben und zu einer Fischpaste zermantschkern, bis die Masse einen Klumpen bildet. Den Ingwer schälen, reiben und mit Hilfe eines Teesiebes den Saft herauspressen. Den Ingwersaft und die Fischsauce zur Fischmasse geben und gut vermischen. Dann mit angefeuchteten Händen kleine Bällchen formen und diese in den Kühlschrank stellen.
    Sie können die Fischbällchen auch mit einem anderen Fisch zubereiten. Kabeljau geht auch sehr gut. Es sollte nur ein fester und weißfleischiger Fisch und auf jeden Fall Meeresfisch sein.

    Für die Suppe die Fischkarkassen gründlich waschen und gemeinsam mit den restlichen Zutaten, ausgenommen den Bonitoflocken, in einen Topf geben. Mit Wasser aufgießen und bei großer Hitze auf den Herd stellen. Kurz bevor das Wasser zu kochen beginnt, die Hitze reduzieren und die Suppe zugedeckt 20 Minuten auf kleiner Flamme leicht sieden lassen. Sie darf auf keinen Fall aufkochen. Zum Schluss die Fischbällchen einlegen und die Bonitoflocken einstreuen. Noch einmal 5 Minuten durchziehen lassen. Die Bällchen schwimmen an der Oberfläche und lassen sich leicht wieder wieder abschöpfen. Die Suppe am besten durch ein Tuch abseihen.

    Reisnudeln nach Packungsanweisung garen und kalt abschrecken. Das ist wichtig, da sie sonst zusammen kleben. Nudeln in eine Schüssel geben und mit dampfend heißer Suppe aufgießen. Die Fischbällchen dazugeben. Mit Chilliöl beträufeln - und fertig! Nach Bedarf die Suppe am Tisch mit Fischsauce nachwürzen.

    In Asien sind diese Fischbällchen sehr beliebt. In den chinesischen Straßenküchen werden sie auch oft mit Schweinefleisch gefüllt - Fuzhou. Sie bekommen die Bällchen auch fertig in jedem Asiasupermarkt, mit oder ohne Fülle. Bei diesen wird der Masse Mehl oder Stärke zugesetzt. Dadurch werden die Bällchen teigiger und sind mehr Knödel als Bällchen. Die Asiaten lieben diese schneeweißen Gummidinger - ich aber nicht. Und da die Zubereitung so einfach ist und es auch ohne Mehl und Glutamat geht, mache ich sie selbst. Ursprünglich deswegen, weil ich dem Fräulein noch zu Kindergartenzeiten gesunden, grätenfreien Fisch unterjubeln wollte. Kinder finden die Bällchen irgendwie lustig und wenn sie in Hühnersuppe schwimmen merken sie nicht einmal, dass es Fisch ist. Das Fräulein hat sie mit den Fingern aus der Suppe gefischt und in (verdünnte) Sojasauce getunkt, anschließend dann alle auf einmal in den Mund gestopft.
    Die Fischbällchen müssen also nicht unbedingt in Suppe schwimmen, sondern können auch so gegessen werden, zum Beispiel mit Reis und einer asiatischen Dipsauce. Ich habe bei Kimkocht am Naschmarkt eine Limetten-Ingwer-Chillisauce und eine Soja-Chillisauce gekauft. Der Unterschied zu herkömmlichen Fertigsaucen ist der, dass diese frisch zubereitet werden, ohne Zusatzstoffe, so als hätten Sie sie selbst gemacht. Die Saucen sind allerdings nur kurze Zeit haltbar, was aber kein Problem ist, denn lange bleiben die bei uns eh nicht liegen.


    Ja, und was den Orangen-Ingwertee betrifft: Daran arbeite ich noch...