Ingwer-Orangentee oder die Mär aus dem Alten China



Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf , dass er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert promt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

(Christian Morgenstern)

Renommierte Ärzte, ausgebildete Diätetiker, selbsternannte Ernährungsspezialisten, der nette Kellner, die fürsorgliche Nachbarin und sogar die beste Freundin raten Ihnen dazu. Die Botschaft verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Liebe Leute, sauft Ingwertee, denn das hält Euch den Schnupfen vom Leib und lässt Euch im Handumdrehen wieder gesunden, wenn Ihr mit einer Erkältung oder der Grippe darniederliegt. Ich bin mir sicher, dass Sie das schon wussten, alleine, es stimmt nicht! Es ist ein Märchen, ein Gerücht, das sich wie so viele andere hartnäckig in den Köpfen der Leute festsetzt. Orangensaft trinken wegen der Vitamine, Hühnersuppe um zu Kräften zu kommen und gaaaaanz viel Ingwertee, ja, dann fällt der Krankenstand besonders lange aus und die Verkühlung, die sie in drei Tagen locker weg gesteckt hätten, wird zum Wochenprojekt und sogar nach zwei Wochen schneutzen Sie noch die grüne Rotzglock'n raus oder husten sie ins Waschbecken rein. Pfui, deibel!

Das vermeintliche Wissen um die Zauberkraft der Ingwerwurzel ist vor einigen Jahren zu uns herüber geschwappt. Die in der chinesischen Kräuterheilkunde seit Jahrtausenden bekannte Wirkung des Ingwers findet nun auch Eingang in unsere Heilkunde und wird vermantschkert mit westlicher Gesundheitslehre und Medizin. Ingwertee wärmt und treibt die Kälte aus! - Stimmt sogar, wird aber leider völlig falsch angewendet, da das fundierte Wissen der chinesischen Heilkunde fehlt. Während in China ein Arzt mindestens sechs Jahre braucht um seine Grundausbilung in der Traditionellen Chinesischen Medizin zu absolvieren, dann aber noch immer als blutiger Anfänger gilt, weil ein guter chinesischer Mediziner halt auch die Erfahrung der Jahre braucht, absolvieren Sie als westlicher Mediziner hier in Österreich - Ärztekammer sei Dank - lediglich einen Wochenendcrashkurs um sich als Spezialist in Sachen TCM bezeichnen zu dürfen. Kann ja net so schwer sein, oder?

Lassen Sie es mich erklären. Haben Sie Zeit? Ich muss dazu nämlich ein bisserl ausholen, was mir persönlich nix ausmacht, weil ich eh in Urlaub bin und draußen ist es so kalt, dass das Skifahren sowieso ein klein wenig unlustig ist. Also, sitze ich hier am offenen Kamin, trinke Ingwertee und erzähle Ihnen die Mär von demselbigen. Wenn Sie gar nicht wissen wollen, warum es oft besser ist keinen Ingwertee zu trinken, überspringen Sie den nächsten Teil und lesen Sie einfach bei der Zubereitung weiter.

Exkurs
Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt fünf sogenannte Funktionskreise im menschlichen Körper. Jeder Funktionskreis übernimmt im Körper bestimmte Aufgaben und steuert ganz bestimmte Körperfunktionen. Die Funktionskreise selbst stehen natürlich untereinander in Beziehung. Störungen innerhalb der Funktionskreise bringen das gesamte System aus dem Gleichgewicht und führen zu Krankheit. Die Therapie in der Chinesischen Medizin besteht vorrangig in der Einflussnahme auf eben diese Funktionskreise, zum Beispiel über Kräutertherapie oder Ernährung. Jedes einzelne Kraut und jedes einzelne Lebensmittel ist in der TCM detailiert hinsichtlich seiner Wirkung auf die Funktionskreise beschrieben. Die Zuordnung zu einem Funktionskreis erfolgt sehr häufig über den Geschmack - sauer, bitter, süß, scharf und salzig, wobei die Ernährungslehre nach der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht gleichzusetzen ist mit der Fünf-Elemente-Küche. Letztere ist eine westliche Lehre, die zwar auf der TCM fußt, aber im traditionellen China weder erfunden wurde, noch dort angewendet wird. 
Ingwer ist in seinem Geschmack scharf, sehr scharf sogar. Dadurch entfaltet die Wurzel vor allem, aber nicht nur, Wirkung im Funktionskreis Fei. Dieser beherrscht die Atmung, und zwar die gesamte. Ihm ist das Organ Lunge zugeordnet, aber auch die Haut. Die Atmungsorgane haben den stärksten Kontakt nach außen und sind daher am anfälligsten für krankmachende Faktoren von außen, wie zum Beispiel Viren oder Kälte (Sie wissen ja: Kälte kriecht unter die Haut). Eine Erkältung oder auch ein grippaler Infekt dringt also von außen über den Funktionskreis Fei, die Lunge und die Haut in den Körper ein und genau dort müssen sie auch wieder raus, meint der Chinese. Der Ingwer ist dafür nun bestens geeignet. Er wirkt eben auf genau diesen Funktionskreis. Die Chinesen sagen auch: Der Ingwer öffnet die Poren, bewegt an der Oberfläche und bringt das krankmachende Pathogen wieder nach draußen. Er kann aber noch was: erhitzen, und zwar ganz ordentlich! 
In der TCM wird ein Kraut oder Lebensmittel zusätzlich auch nach seiner thermischen Wirkung beurteilt, also der Fähigkeit den Körper und den entsprechenden Funktionskreis zu kühlen oder ihn zu erhitzen.
Beispiel:
Draußen hat es 30 Grad Außentemperatur. Es ist heiß und sie schwitzen. Ich biete Ihnen eine
Gulaschsuppe an und eine Wassermelone. Was wählen Sie?
oder
Draußen hat es minus zehn Grad und Sie kommen von einem Spaziergang im Schnee. Ich biete Ihnen wieder eine Gulaschsuppe und eine Wassermelone an. Was wählen Sie diesmal? 
Die Temperatur des Nahrungsmittels selbst, also ob es heiß oder kalt gegessen wird, hat dabei nur einen kleinen Einfluss auf die thermische Wirkung im Körper. Diese liegt in der Natur des Nahrungsmittels selbst und kann durch Kochen oder Kühlen nur geringfügig geändert werden. Ingwer ist und bleibt heiß, auch wenn Sie ihn in den Kühlschrank legen und Wassermelone bleibt kalt, selbst wenn Sie Punsch draus kochen.
Und jetzt verwechseln Sie scharf nicht mit heiß. Nicht alles was scharf ist, macht Sie heiß! Pfefferminze ist ebenfalls scharf, aber nicht heiß, sondern kühl. Denken Sie an den scharf-kühlen Effekt von Mentholzuckerl oder an die Eigenart der Araber bei Hitze literweise Minzetee - Thé à la menthe  - zu trinken. 
So, ich fasse zusammen: Die Traditionelle Chinesische Medizin unterscheidet bei Lebensmittel den Geschmack - sauer, bitter, süß, scharf und salzig - der die Zuordnung zu einem Funktionskreis bestimmt und zwischen der thermischen Wirkung eines Lebensmittel - das Spektrum reicht dabei von heiß, warm, über neutral, bis zu kühl und kalt. Das ist wie Schifferl versenken. Stellen Sie sich eine Tabelle vor, mit fünf Spalten und fünf Zeilen. In den Zeilen sind die fünf Geschmäcker untereinander aufgelistet, die thermische Wirkung in den fünf Spalten nebeneinander.
Der scharfe Geschmack wirkt also auf die Lunge und die Haut. Er öffnet die Oberfläche und treibt krankmachende Faktoren aus. Das kann Kälte sein, aber auch Hitze. Ingwer ist scharf, aber heiß. Er steht in der Tabelle in der Zeile 'Scharf', links in der ersten Spalte unter 'Heiß'. Er hilft bei Kälte. Pfefferminze ist auch scharf und steht in der gleichen Zeile wie Ingwer, aber ganz rechts außen unter 'Kalt'. Er treibt Hitze aus. Alles klar? Gleich hammas!
Ob Ingwertee Ihnen hilft, wenn die Nase rinnt und der Schädel brummt, hängt also davon ab, ob Sie Hitze oder Kälte in sich tragen. Der Chinese spricht nicht pauschal von einer Erkältung, sondern unterscheidet zwischen (Wind)hitze und (Wind)kälte. Kälte hat außerdem die Tendenz sich im Krankheitsverlauf in Hitze umzuwandeln - ohne Erklärung - belassen wir es einfach dabei! Jede Erkrankung im Funktionskreis Fei, die von außen kommt, wird in einem fortgeschrittenem Stadium fast unweigerlich zur Hitzeerkrankung. Was bei uns im Volksmund oft fälschlicherweise als Erkältung bezeichnet wird oder als Kälteerkrankung beginnt, ist meist gar keine Kälte im chinesischen Sinn, sondern eine handfeste (Wind)hitze.
Es ist Ihnen jetzt hoffentlich klar, dass Ihnen bei einer (Wind)hitze nicht geholfen ist, wenn Sie Ingwertee trinken. Bei schwerer Grippe mit hohem Fieber oder entzündlichen Prozessen ist das sogar ein bisserl gefährlich. Wenn Sie bisher gut aufgepasst haben, wissen Sie aber, dass Sie dann einen Pfefferminztee brauchen. (Vielleicht aber auch nicht - wie gesagt, die Materie ist komplex ;)
Jetzt wollen Sie sicher auch noch wissen, woran Sie den Unterschied zwischen Hitze und Kälte erkennen? Zum Glück, hat es draußen jetzt auch noch zu schneien begonnen und ich habe ein bisserl Zeit extra.
Windhitze können Sie anhand folgender Merkmale sicher erkennen: komplett verstopfte Nase, wo überhaupt nix geht oder eine gelbe bis grünliche Rotzglocken im Taschentuch, wenn Sie sich schneutzen (sowas in einem Foodblog - na, geh!). Fieber ist ebenfalls ein sicheres Zeichen für Hitze, ebenso jede Form von entzündlichen Prozessen, wie zum Beispiel brennender Halsschmerz.
Tropft Ihnen jedoch weißer oder durchsichtiger Rotz wie Wasser aus der Nase, können Sie sicher sein, dass die Kälte in Ihnen wohnt. Frösteln hingegen ist kein sicheres Zeichen. Das kann auch durch Fieber verursacht sein. Alles weitere ist schwierig und sollten Sie besser einem Spezialisten überlassen, weil sehr komplex in der Thematik.
Ah ja, und noch was. Hochprozentiger Alkohol ist aus Sicht der TCM ebenfalls scharf und heiß. Sie können sich also genauso gut ein Stamperl Schnaps genehmigen, anstatt Ingwertee zu trinken. Das erfüllt den gleichen Zweck. Die westliche Kultur neigt halt dazu, exotischen Nahrungsmitteln Zauberkräfte nachzusagen. Abrakadabra! Ein Nussschnaps scheint zu profan, was ein schwerer Fehler ist. Den Schnaps haben Sie nämlich schneller zur Hand wie den Ingwertee. In der Zeit, die Sie brauchen um frischen Ingwer zu kaufen und entsprechend lange zu kochen, ist Ihre 'Erkältung' schon längst im Hitzestadium.

Doch "grau, teurer Freund ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum". Wenden wir uns daher der Praxis zu. Die, an der Theorie Uninteressierten, können genau hier wieder einsteigen. Ich will Ihnen nun vier verschiedene Arten zeigen Ingwertee zu kochen: Einmal Ingwertee für den Alltag, einmal als therapeutisches Mittel, einmal in einer erweiterten Variante und einmal total unchinesisch, aber endlos gut.

1. Ingwertee - Ginger 'Light' - ein alltagtaugliches Rezept

Hier handelt es sich um eine Art Ingwertee zu kochen, die, ich will nicht sagen nutzlos, aber in seiner therapeutischen Wirkung sehr reduziert ist. Die Zubereitung ist denkbar einfach. Sie schneiden von einer frischen Ingwerwurzel mit Schale zwei dünne Scheiben ab und schmeißen diese in ein Teehäferl. Anschließend brühen Sie den Ingwer mit kochend heißem Wasser auf. Nach Geschmack ungefähr fünf Minuten oder länger ziehen lassen und dann den Ingwer herausfischen.
Der Tee bringt Ihnen bestenfalls ein bisserl wohliges Wärmegefühl und beugt gegen Verkühlung vor, sofern sie die Richtlinien, die weiter unten beim therapeutischen Ingwertee angeführt sind, einhalten. Einen Schnupfen, im Sinne einer (Wind)Kälte, werden Sie damit aber sicher nicht los.



2. Ingwertee  - Ginger 'Heavy' - ein scharfer Ingwertee für therapeutische Zwecke

Dies ist die typisch chinesische Variante des Ingwertees, wie er zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird. Dazu brauchen Sie ein paar Scheibchen mehr.
  • 1 walnussgroßes Stück frischer Ingwer mit Schale
  • 1,5 l Wasser
  • 1 EL chinesische Süßholwurzel (Radix Glyzyrrhiza uralensis - Gan Cao) - wer den leichten Lakritzegeschmack nicht aushält nimmt
  • ersatzweise 1 TL Honig, aber nicht mehr
Schneiden Sie den ungeschälten Ingwer in dünne Scheiben und lassen Sie ihn 20 Minuten mit der Süßholzwurzel in 1 Liter Wasser schwach kochen. Die Flüssigkeit wird sich dabei um ein Drittel reduzieren. Anschließend den Sud abseihen und leicht auskühlen lassen. Falls Sie Honig verwenden, süßen Sie den Tee erst, wenn er fertig ist. Der Tee schmeckt sehr scharf und leicht süß. Die Süßholzwurzel oder der Honig erfüllt hier den Zweck, eine unerwünschte Nebenwirkung, nämlich den yinzehrenden Effekt des Ingwers, abzuschwächen.
Beim Genuss dieses Tees müssen Sie allerdings ein paar Richtlinien einhalten, sonst geht die Therapie ordentlich in die Hose. Wie Sie oben ja gelesen haben, öffnet der Ingwer die Oberfläche, was den Sinn hat, dass krankmachende Faktoren nach draußen getrieben werden können. Leider funktioniert das auch umgekehrt. Ist die Körperoberfläche "offen" muss tunlichst darauf geachtet werden, dass auch nix Gemeines rein kann. Es ist daher völliger Schwachsinn, vorbeugend in der Früh Ingwertee zu trinken und anschließend den Weg zur Arbeit anzutreten, wie so oft empfohlen. Beherzigen Sie lieber die folgenden Ratschläge:
  • trinken Sie Ingwertee nur dann, wenn Sie anschließend das Haus nicht mehr verlassen oder sich irgendwie anders Kälte oder Zug aussetzen, also NACHDEM Sie im Büro sind und NACH dem Spaziergang im Schnee, aber auf keinen Fall vorher
  • schützen Sie besonders den unteren Nackenbereich. Dort befinden sich die, in diesem Zusammenhang wichtigen Windpunkte
  • ziehen Sie sich auch im Haus warm an oder noch besser, gehen Sie ins Bett und schlafen Sie sich aus

3. Ingwertee - Ginger 'Medium de Luxe' - eine erweiterte Variante des Ingwertees für therapeutische Zwecke, der aber auch gut schmeckt

  • 6 große Scheiben Ingwer
  • 1 TL chinesische Süßholwurzel (Radix Glyzyrrhiza uralensis - Gan Cao)
  • ein bisserl grüne Mandarinenschale aus der Apotheke (Pericarpium Citri reticulatae - Chen Pi) oder ersatzweise Zitronenschale, die allerdings von der Wirkung nicht gleichzusetzen ist
  • 1 Zweigerl  Thymian - den habe ich im Garten aus dem Schnee gegraben
  • 1 Birne
  • 1,5 Liter Wasser
  • 1 EL Honig
Die Birne schälen und in einen hohen Topf geben. Die ersten vier Zutaten dazugeben und mit dem Wasser auf den Herd stellen. Dann, ohne den Tee kochen zu lassen, mindestens 20 Minuten erhitzen bis die Birne schön weich ist. Zum Schluss mit dem Honig süßen.
Die Wirkung des Tees ist wie oben beschrieben, aber zusätzlich noch schleimlösend und hilft bei Husten.




4. Ingwertee - Ginger 'Gourmet'  - ein total unchinesischer Ingwer-Orangentee für Feinschmecker
  • 2 EL fein gewürfelten Ingwer mit Schale - das ist ungefähr ein ein-Daumen-großes Stück
  • 1 TL chinesische Süßholwurzel (Radix Glyzyrrhiza uralensis - Gan Cao) - sie bekommen sie in der Apotheke oder in einem gut sortierten Asiashop mit chinesischem Schwerpunkt - muss aber nicht unbedingt sein - vor allem, wenn Sie den schweren, süßlichen Geschmack von Lakritze nicht mögen, lassen Sie sie besser weg und ersetzen Sie durch Honig
  • 1 kleine Stange Zitronengras, in Scheiben geschnitten
  • hauchdünne, mit dem Sparschäler abgezogene, Haut einer ganzen Bioorange - da sollte auf keinen Fall etwas Weißes dran sein - die Orangenschale ist für den Geschmack des Tees übrigens sehr wichtig, also nicht einfach weglassen.
  • 1,5 Liter Wasser - die Flüssigkeit reduziert sich beim Kochen
  • Saft von 2 Bio-Blutorangen (Moro) oder einer anderen säuerlichen Orangensorte
  • 1 EL Honig
Was die Orangen betrifft, sollten Sie noch Folgendes berücksichtigen. Ich habe mit verschiedenen Orangensorten experimentiert. Die besten Ergebnisse erzielte ich mit der Blutorange "Moro". Einerseits ergab diese die hübscheste Farbe und anderseits war diese säurebetonte Sorte geschmacklich ideal. Ich hatte anfangs eine andere, süßere Sorte verwendet. Davon brauchte ich deutlich mehr Saft. Wieviel genau Sie also vom Orangensaft brauchen, hängt stark von der Sorte ab. Auf jeden Fall sollte die Orange nicht dominieren, sondern dem Ingwertee nur ein gewisses Extra verleihen.Verwenden Sie zuviel Orange, mutiert der Tee zum Punsch. Denken Sie eher an die Nuance, die Zitrone einem Schwarztee verleihen kann. Da wollen Sie ja auch keine heiße Zitronenlimonade. Bei einer großen, saftigen Orange kann daher auch ein Stück ausreichend sein. Es gibt ja die Orangenschale bereits ein hervorragendes Aroma. Lassen Sie sich von der Farbe des Tees auf meinem Foto nicht beeindrucken. Ich habe ihn bei Sonnenlicht gegen das Licht fotografiert. Die natürliche Farbe des Tees ist, je nach Orangensorte, wesentlich blasser.
Die ersten vier Zutaten und das Wasser gemeinsam aufkochen und ungefähr 15 Minuten auf kleiner Flamme ziehen lassen. Nicht kochen! Anschließend den Orangensaft und den Honig dazugeben, nochmal 5 Minuten ziehen lassen ohne den Tee zu kochen. Ich lasse den Tee einfach auf unserem Kaminofen stehen. Kosten Sie! Der scharfe Geschmack des Ingwers sollte klar hervortreten. Die Säure der Orangen und vor allem das Aroma der Orangenschale sollten dem Tee eine dezente Orangennote geben und die Süße der Wurzel und des Honigs sollte sich harmonisch einfügen.

Eine therapeutische Wirkung ist bei diesem Tee fragwürdig, da der säuerliche Geschmack der Orangen und des Zitronengras aus Sicht der TCM den gegenteiligen Effekts des Ingwers haben. Der saure Geschmack schließt die Oberfläche. In China wird Ingwer daher traditionell nicht in Kombination mit Zitrusfrüchten verwendet, ausgenommen Zitrusschalen. Wenn die Ingwer-Orangen-Kombination in diesem Sinne also etwas absurd erscheint, schmeckt der Tee dennoch grandios und geht bei uns weg wie die warmen Semmeln. Sogar das Fräulein trinkt mit, das ja Ingwertee normaler Weise gar nicht leiden kann.
Für welche der vier Arten auch immer Sie sich entscheiden. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall, dass der Schnupfen nicht hinter der nächsten Ecke auf Sie lauert...bleiben Sie gesund und munter! Pitschü!


PS: Mich würde jetzt wirklich interessieren, wieviele Leser alles gelesen haben und nicht w.o. gegeben haben?

Labels:

Share this:

22 comments:

  1. respekt, frau kollegin! wobei: ob das "kollegin" so stimmt, bin ich mir nach dem tcm-exkurs nicht mehr sicher. machst du das beruflich? es klingt so. noch dazu so energisch, dass es mir fast zu viel des zeigefingers ist. obwohl du ja recht hast. das mit der kontraproduktiven orangensafttrinkerei im winter hat sich noch nicht so herumgesprochen - weil es wirklich kompliziert zu verstehen ist. noch dazu hat ernährung in der tcm ja eine viel wichtigere position als essen hier im westen, das kommt ja nur dann (therapeutisch) zur sprache, wenn schon was aus dem lot ist.
    würde mich freuen, öfter solche fundierten exkurse von dir zu lesen!
    ich bin aber erleichtert, dass du dem ingwer auch kulinarisch ein plätzchen lässt, weil da hätte ich schwer einspruch erhoben, wenn er bloß therapeutisch verwendung finden dürfte. es gab mal bestrebungen (bacopa?) westliche heilpflanzen aus tcm-sicht zu kategorisieren, was ich sehr spannnend finde, v. a. thermische wirkung. weißt du da mehr drüber?

    AntwortenLöschen
  2. Sehr, sehr interessant. Ich muss das alles erst mal sacken lassen. Denn ganz ehrlich, vieles von dem Artikel war mir nicht bewusst.

    AntwortenLöschen
  3. Tolle Zusammenfassung! Und endlich mal jemand, der den Zahn zieht, eine Zutat sei per se gesund. Es kommt da schon auf die Zusammenhaenge an. Das ist genauso absurd wie der Glaube, eine Aspirin koenne vor Herzinfarkt schuetzen und von Pommes bekommt man Krebs. Danke für die Mühe und auch die Gourmetrezepte, da ich Ingwer einfach vom Geschmack her liebe!!

    AntwortenLöschen
  4. ich habs (fast) ganz gelesen. ist ja eh so kalt draußen, dass man lieber im haus bleibt und viel liest (und kocht!). ich hab nur bei den rezepten die therapeutischen übersprungen und bin gleich runter zum feinen rezept mit orange. denn das mach ich heute :-) - klingt extrem gut, danke!

    AntwortenLöschen
  5. vielen dank! fundiert geschrieben und frisch zu lesen, ob mit oder ohne ingwertee. kompliment, frau kollegin!?

    AntwortenLöschen
  6. Ich war vor jahren mal bei einer TCM Ernährungsberatung und hab mich testen lassen, was für ein Stoffwechseltyp ich bin (Parasympathikus) und darauf meine ERnährung abstimmen lassen. Damals lernte ich auch "im Kreis kochen", was mich nach deinen Ausführungen jetzt wundert, wenn es mit TCM nix zu tun hat. Andererseits hätte ich dem Westen so einen Umgang mit Essen gar nicht zugetraut. STimmt das echt?
    Zum Ingwer: da ich oft friere, wurde mir auch zu viel Ingwer geraten, aber ich trinke ihn eigentlich nur vor kurvigen Autofahrten (Kinetose), hilft gegen Übelkeit.

    AntwortenLöschen
  7. Bis zum letzten Wort gelesen! Ich mag Ihren Schreibstil, die Rezepte, Fotos - freue mich schon auf den nächsten Beitrag. Übrigens: der Apfelpunsch war bei uns DER Renner zur Weihnachtszeit. Nicht nur bei den Kleinen!

    AntwortenLöschen
  8. Ein Genuß hier gelandet zu sein! Ich habe den Artikel bis zum Ende gelesen und möchte mich in den nächsten Wochen durch die vielen ansprechenden vegetarischen Rezepte kochen/backen.

    Ich habe ein spezielles Halswehrezept, bei dem ich nicht genau weiß warum es wirkt, doch es ist ein Wunderding: Lauwarmes Wasser, 1-2 EL Olivenöl, einen spritzer Zitronensaft, Honig und Propolis.

    AntwortenLöschen
  9. Ich lese Ihren Blog wahnsinnig gerne... schon mal überlegt, ein Buch zu schreiben ?

    AntwortenLöschen
  10. habe den Tee gerade orginal nachgekocht sogar mit frisch gekaufter Süßholzwurzel, obwohl ich eigentlich keine "Spezialzutaten" mehr kaufen wollte, und mir wird so warm, dass ich erstmal Heizung runterdrehen und Strickjacke ausziehen musste. Aber vorallem schmeckt der Tee genial gut - also der Aufwand lohnt sich auf alle Fälle. Da ich von überzeugt bin, dass wirklicher Genuß immer gesund ist, ist dieser Orangen-Ingwer für mich auf jeden Fall gesund, auch wenn er nicht TCM-gerecht ist. Danke für das Rezept

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Leser,
    Ich bin ganz hin und weg, angesichts des vielen Lobs, das mich hier erreicht. Es freut mich wirklich sehr, dass bei diesem Post so eifrig kommentiert wird und ich bin total motiviert auch in Zukunft interessante und lesenswerte Beiträge hier zu posten. Vielen Dank an alle, die mir das Gefühl geben, dass ich das alles nicht nur für mich allein tue und meine "Post" auch ankommt <3
    Lieben Gruß an alle von Frau Ziii

    AntwortenLöschen
  12. Insbesondere Dein Respekt, liebe Katha, freut mich sehr, die Du ja sonst die Dinge immer recht kritisch betrachtest - was ich im übrigen sehr schätze. Und du hast recht. Es gibt tatsächlich erste Ansätze, westliche Heilkräuter nach den Grundsätzen der TCM einzuordnen. Das steckt aber noch in den Kinderschuhen. Man darf nicht vergessen, dass sich die chinesische Kräuterheilkunde fast dreitausend Jahre lang ungestört in verschiedenen Schulen weiterentwickeln durfte. Zwar gibt es auch im Westen "altes Wissen", aber davon ist leider viel verloren gegangen und durcheinander geraten. Außerdem fehlt unserer Kräuterheilkunde ein fundierter Unterbau, wie es ihn in der TCM gibt.
    Es gibt im deutschsprachigen Raum mittlerweile aber einige Vorreiter in Bezug auf Kategorisierung der Heilkräuter nach TCM. Aber ein Leben ist halt viel zu kurz für so etwas... Außerdem sind sie alle noch Einzelkämpfer und nicht immer einer Meinung. Eine echte Koryphäe ist sicher der Dr. Rupert Lenhart. Der Mann lebt dafür. Sein Buch "Materia Medica" wurde im Bacopaverlag veröffentlicht. Es ist das beste seiner Art, wie ich finde, aber leider vorrangig für geschulte TCM Therapeuten geschrieben!

    AntwortenLöschen
  13. Daniela, ich hoffe Du hast in der Zwischenzeit schon verdaut ;-) und Julia, ja, genau, die westliche Ernährungslehre schert vieles über einen Kamm.

    Küchenschabe, wie ist der Tee gelungen?

    Christa, vielen Dank für das Kompliment!

    AntwortenLöschen
  14. Ellja, ich kann Dir versichern, dass die TCM noch nie etwas von Stoffwechseltypen und einem Parasympatikus gehört hat. Und ja, das im "Kreis kochen" ist in China tatsächlich relativ unbekannt. Es gehört zur Fünf-Elemente-Küche, die ja im Westen erfunden wurde. Das Grundgerüst sind aber die fünf Wandlungsphasen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Beides ist also sehr nahe verwandt und überschneidet sich.
    Manchmal ist es einfach eine Frage des Gewerbescheins. TCM ist in Österreich mittlerweile staatlich und ganz hochoffiziell als Medizin anerkannt. Darum sitzt auch die Ärztekammer drauf. Nicht jeder darf Ernährungsberatung nach den Grundlagen der TCM anbieten. Das ist gewerberechtlich sehr streng geregelt.
    Dass Ingwertee gut bei Übelkeit hilft, ist seine zweite herausragende Eigenschaft. Daher war er auch früher schon bei den Seefahrern bekannt - wegen seekrank und so. Die Chinesen sagen: Ingwer besänftigt rebellierendes Magen-Qi.

    AntwortenLöschen
  15. Anonym, danke fürs Feedback. Ich hatte wirklich Angst, das mein Post etwas zuviel des Guten ist. Freut mich, dass es gelesen wurde, und zwar "bis zum letzten Wort"
    Wildkräuterfrau, Dein Halswehrezept werde ich ausprobieren, obwohl, ich zugegebener Maßen, nicht besonders erpicht bin darauf ;-)
    Anonym, ein Buch? Hm? Weiß nicht?! Meine Geschichten werden meistens nie länger wie eine Seite. Aber ein Kochbuch könnte mir schon gefallen, mal sehen :-)
    Sigi, wettermäßig schaut es so aus als könntest Du die Strickjacke für heuer ganz weglegen, aber der Orangen-Ingwertee schmeckt auch im Frühjahr gut. Danke für die Rückmeldung. Ich bin immer froh, wenn die Rezepte auch "funktionieren". Ist nicht immer leicht.
    Lieben Gruß aus Wien von Frau Ziii

    AntwortenLöschen
  16. danke fürs detaillierte feedback. obwohl du dich nicht aus der tcm-reserve locken lässt. deine antworten auf die kommentare bestärken aber meine vermutung, dass du das beruflich machst. wie auch immer. danke auch für den buchtipp, das war evtl. eh das, wovon ich gehört hatte. mit einem klick auf die bacopa-website wäre ich vielleicht auch drauf gekommen, aber mit deinem urteil (das ich als "fundiert" einschätze ;-)) ist's natürlich besser. als tochter einer drogistin dürfte das auch für mich zumindest ein klein wenig zugänglich sein. verwendest du's (bei deiner arbeit?... noch ein versuch ;-))? (und fast ganz off-topic: ich nehme an, du kennst lenhart und würdest ihn auch als arzt empfehlen?)

    ps: kurz nachgeschaut: ich glaube, ich hatte damals (viele jahre her) von dem hier gehört http://www.bacopa.at/page/md3000003_18635.html - kennst du das auch?

    AntwortenLöschen
  17. Ich würde mich über ein Kochbuch auch sehr freuen, super Schreibstil und tolle Fotos, und viel Fundiertes rundherum, danke für all Deine Mühe liebe Frau Zii

    AntwortenLöschen
  18. übrigens finde ich gerade die Süßholzwurzel ganz entscheidend für den runden Geschmack - dagegen habe ich kaum einen Unterschied geschmeckt als ich einmal das Zitronengras weggelassen habe - immerhin habe ich den Tee in den letzten Tagen schon dreimal !!! gekocht

    AntwortenLöschen
  19. Hab alles gelesen und bin ganz glücklich so was genaues und informatives gefunden zu haben! Freue mich schon drauf was Frau Zii bald alles kochen und erklären wird!
    Koche selber gerne Tees ohne Tee u.a. mit den von Dir erwähnten Ingredienzien, aber weiß nie ganz genau was ich da tue.
    Ist gekaufte getr. Mandarinenschale (immer grüne?) nach der TCM ganz etwas anderes als wenn ich eine Biomandarine schäle und bei Zimmertemperatur trockne?

    AntwortenLöschen
  20. hab am letzten wochenende im cafe bazar in salburg heißen *ingwer* getrunken und prompt ist mir der artikel in erinnerung gekommen :)

    jz gschwind nuamoi gsuacht danoch!

    ... do sogt nuamoi ana fb ist blöd!!

    AntwortenLöschen
  21. Lecker :) Wenn ich in Marokko war, habe ich das getrunken :) Ich denke, dass dorthin marokkanischen handbemalten Waschbecken gekauft habe

    AntwortenLöschen
  22. Hochinteressant, der Exkurs!
    Toller Schreibstil, super Fotos - kurz: bin begeistert! Und freu mich auf die nächsten Posts.

    ... und wenn Sie wie vorgeschlagen mal wirklich ein Buch schreiben - ich würd's gern korrekturlesen!

    AntwortenLöschen