Geschmortes Rindfleisch oder zu faul zum Kochen

Alle haben einen. Und ich habe jetzt auch einen. Meiner ist schwarz. Ich hätte auch einen roten haben können oder einen orangefarbenen,... Ich wollte aber den da, denn der sieht auf meinem Kaminofen so hübsch aus.

Es musste unbedingt sein, denn ich habe gehört, dass gusseiserne Bräter quasi alleine kochen können und ich bin oft wirklich sehr unwillig. Mir geht die Kocherei zeitweise ziemlich auf die Nerven, weil ich bin nicht so eine, die immer glücklich ist, wenn sie in der Küche stehen darf. Aber es macht mich ungemein glücklich, wenn ich am Tisch sitze und was G'scheites zu Essen habe - was für ein Dilemma!

Es gefällt mir, wenn Menschen sich die Mühe machen im privaten Rahmen für eine ganze Gesellschaft mehrgängige Menüs kochen. Ich persönlich bin schon gestresst, wenn ich für mich selber kochen muss. Mein Küchenlieblingswort ist "Reduktion", wobei ich da weniger an Balsamico denke, sondern mehr daran, wie ich was Ordentliches zu essen bekomme und mich dabei möglichst wenig anstrenge.


In diesem Sinne fand das heutige Experiment statt, für dessen Wiederholung Sie die folgenden Zutaten brauchen:
  • 1 kg Rindfleisch zum Schmoren in größeren Stücken, ich hatte eines von der vorderen Wade 
  • 3-4 rote Zwiebeln, geachtelt 
  • 1 kg Karotten und Pastinaken, gemischt, aber mehr Karotten 
  • 1 Bund Salbei - ich hatte im Garten noch rotblättrigen Salbei stehen 
  • 3 EL Korinthen 
  • 2 EL Resterl von Dosentomaten oder klein geschnittene frische Tomaten oder 1 EL Tomatenmark 
  • ungefähr 1/2 Flasche guter Rotwein - ca. 300 ml 
  • 300 ml Rindsuppe 
  • Salz 
  • grob gemahlener schwarzer Pfeffer - ich habe eigentlich Pfefferkörner verwendet, die aber beim Essen von den Korinthen schwer zu unterscheiden waren. Daher lieber gemahlener Pfeffer 
  • 4 EL Olivenöl 
  • 1 gemütliches Sofa - Sie werden gleich sehen warum




    Jamie Oliver behauptet in einem seiner Kochbücher, dass es beim Schmoren für das Fleisch keinen großen Unterschied macht, ob man es vorher anbrät oder nicht. Für das Fleisch vielleicht nicht, aber für die Sauce auf jeden Fall. Davon bin ich überzeugt. Das scharfe Anbraten der Zwiebel und des Gemüses sorgt für Röststoffe, die der Sauce Geschmack geben. Trotzdem - ich bin heute kochzickig und brate genau gar nix an, also nicht einmal die Zwiebel und das Gemüse. Da müsste ich ja vorher mindestens zehn Minuten am Herd stehen und mit dem Kochlöffel im Topf herumrühren... ich mariniere auch nicht, denn da hätte ich ja gestern schon daran denken müssen... und das Backrohr vorheizen... ich kann manchmal ganz schön bockig sein...
    Nein, ich schmeisse einfach alles aus der obigen Liste in meinen Bräter und stelle den Topf auf den Kaminofen, ungefähr so:

    Die Zwiebel achteln. Das Fleisch in größeren Stücken belassen, so 5 mal 5 cm. Auch das Gemüse sehr grob schneiden, wenn überhaupt. Alle festen Zutaten gemeinsam in einen gusseisernen Topf geben. Mit ein bisserl Olivenöl übergießen - das Salz und den Pfeffer nicht vergessen - und mit der Hand durchmengen. Anschließend die Suppe und den Rotwein dazugeben. Die Flüssigkeit sollte alles ungefähr zwei Drittel hoch bedecken. Deckel aufsetzen und ab auf den Ofen oder auch ins Backrohr.

    Die Hitze auf meinem Kaminofen ist ausreichend, dass es einerseits im Topf sanft vor sich hinblubbert und ich andererseits am Sofa einschlaf'. Nopfitzen, sagt der Papa. Dann kommt der Herr Ziii daher, legt Holz nach und nopfitzt ein bisserl mit. Nach insgesamt drei Stunden Nopfitzen ist das Werk vollbracht. Und es ist gelungen, mein Experiment. Aus dem Topf steigt ein Duft empor, der uns seufzen lässt. Das Fleisch ist butterweich und die Flüssigkeit hat sich mit den Gewürzen zu einer aromatischen Sauce verbunden. Das Resterl von einem ehrlichen Landwein und Weißbrot zum Tunken erweisen sich als perfekte Ergänzung.

    Ich weiß natürlich, dass das Gericht sich noch verbessern ließe - durch vorheriges Rösten der Zwiebel, des Gemüse und des Fleisches, ablöschen, binden der Sauce... aber wie bereits erwähnt: ich suche ein für mich möglichst optimiertes Verhältnis von Einsatz und Nutzen und drei Stunden Nopfitzen für dieses Essen ist mit Sicherheit der beste Deal seit langem.

    Der Topf aus Gusseisen von Le Creuset hat sicher das Seinige dazu beigetragen. Es wird gemunkelt, dass Gusseisen die Eigenschaft besitzt, besonders gleichmäßig die Hitze im Inneren zu verteilen - nicht vergleichbar mit einem Bräter aus Edelstahl, Glas oder Email. Das Ergebnis war daher, auch ohne Backofen, wirklich erstaunlich. In einem anderen Topf wäre das Fleisch wahrscheinlich nur zu Suppe verköchelt.

    Ich habe übrigens auch gehört, dass Slowcooker ähnliche Wunder vollbringen können. Darum werde ich morgen sofort losziehen und mir einen kaufen. Dann kann ich nämlich das Rindfleisch auch im Rotwein schmoren, wenn ich gar nicht zu Hause bin und der Ofen kalt bleibt. Das wäre dann der Gipfel an Reduktion. Damit könnte ich mich quasi selbst wegrationalisieren und die drei Stunden NACH dem Essen schlafen. Jetzt sitze ich halt hier herum, mitten in der Nacht, kein bisserl müde, und schreibe Posts, weil ich nicht schlafen kann...

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    4 comments:

    1. jut jemacht.det sieht lekka aus.faul reduziert jeht och.was ist ein slowcooker?schöne woche mit deinem neuen topf.ich habe den auch(in orange)und der ist ein gesegneter topf.die pfanne ist auch so toll, besser als ein wok.ich benutze die als wok.tschüss

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    2. Hallo Magierin
      ein Slowcooker ist ein elektrisches Gargerät mit Keramikeinsatz, ähnlich einem Reiskocher, das aber über mehrere Stunden in Betrieb ist, weil es auf Niedertemperatur kocht. Es kommt aus den USA und gehört dort zum Standardkücheninventar. Langsam wird der Slowcooker auch bei uns bekannt. Man schmeißt in der Früh alles rein und wenn man am Abend nach Hause kommt ist das Essen fertig. So sagt man zumindest...ob's stimmt?
      Lieben Gruß nach Berlin (?) von Frau Ziii

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    3. Bin beim rezeptestöbern auf Ihre Seite gestoßen. Super Schreibstil und tolle Fotos und einige Rezepte werde ich in MEINE Rezeptesammelmappe geben ;)
      Lg Sandra

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    4. Der Slowcooker ist ein Wunder-Gerät. Wie die Frau Ziii schon gschrieben hat: alles morgens rein und abends gibts a gutes Essen. Koch schon seit 2 Jahren mindestens einmal die Woche so.

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